Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Phengaris nausithous
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist ein Tagfalter aus der Familie der Bläulinge mit einer außergewöhnlichen Lebensweise. Die Art ist obligat auf den Großen Wiesenknopf als Eiablagepflanze und die Knotenameise Myrmica rubra als Wirtsameise angewiesen. Die Falter sind oberseits dunkelbraun, während die Unterseite eine charakteristische Reihe dunkler Punkte auf hellbraunem Grund zeigt. Er besiedelt vorwiegend feuchte, extensiv genutzte Wiesen und ist europaweit geschützt.

Details
Erkennungsmerkmale
Flügeloberseite dunkelbraun, Unterseite einfarbig hellbraun mit einer Reihe schwarzer, weiß umrandeter Augenflecken; keine orangen Flecken.
Sozialverhalten
Solitär als Imago; die Larven leben jedoch als Sozialparasiten innerhalb von Ameisenkolonien.
Ernährung
Junge Raupen fressen Pflanzengewebe des Wiesenknopfs; ältere Stadien fressen Ameisenlarven. Adulte trinken Nektar.
Jagdstrategie
Chemische Mimikry: Die Raupe imitiert den Geruch der Ameisenlarven, um im Nest gefüttert zu werden oder diese zu fressen.
Laichsubstrat
Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis).
Überwinterung
Überwinterung als Larve (Raupe) im Inneren des Ameisennests.
Ökologie
Ökologische Rolle
Spezialisierter Parasitoid von Myrmica-Ameisen und wichtiger Bestäuber seiner Wirtspflanze.
Natürliche Feinde
Insektenfressende Vögel, Spinnen und parasitoide Schlupfwespen.
Konkurrenzarten
Phengaris teleius (Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling) nutzt oft dieselben Ressourcen.
Ökosystemleistung
Bestäubung von Sanguisorba officinalis und Beitrag zur Biodiversität von Feuchtwiesen.
Bedrohungen
Verlust von Feuchtwiesen durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft und unpassende Mahdtermine.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Fehlen der orangen Randflecken auf der Unterseite; dunkle, fast einfarbige Oberseite; Bindung an den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) als einzige Eiablagepflanze; Unterseite mit nur einer Reihe von Augenflecken.
Lebensraum
Feuchtwiesen, Pfeifengraswiesen, Niedermoore und Grabenränder mit hohen Beständen des Großen Wiesenknopfs. Erfordert das gleichzeitige Vorkommen der Wirtsameise Myrmica rubra.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Intensivierung der Landwirtschaft (frühe Mahd vor September, Düngung), Entwässerung von Feuchtgebieten, Habitatfragmentierung und Verbuschung nach Nutzungsaufgabe.
Bestandstrend
Rückläufig in weiten Teilen Mitteleuropas; in Deutschland als gefährdet eingestuft (Rote Liste 3).
Schutzmaßnahmen
Einführung eines angepassten Mahdregimes (Schnitt erst ab September oder alternierende Mahd), Wiedervernässung von Standorten, Schutz der Wirtsameisenhabitate und Vernetzung isolierter Populationen.