Polynucleobacter
Polynucleobacter
Polynucleobacter ist eine Gattung gramnegativer Bakterien, die in nahezu allen Arten von Süßwasserhabitaten weltweit vorkommen. Diese Mikroorganismen sind oft extrem zahlreich und können bis zu 20 % der gesamten Bakteriengemeinschaft in Seen ausmachen. Die Gattung umfasst sowohl frei lebende Arten als auch obligate Endosymbionten, die in Wimpertierchen der Gattung Euplotes leben. Sie spielen eine fundamentale Rolle im mikrobiellen Kreislauf, indem sie gelösten organischen Kohlenstoff effizient verwerten.
Details
Erkennungsmerkmale
Stäbchenförmige Gestalt, gramnegativ, oft sehr klein (ultramikrobakteriell), Nachweis meist über 16S-rRNA-Sequenzierung.
Sozialverhalten
Meist einzeln lebend oder als Endosymbionten in Ciliaten.
Ernährung
Heterotrophe Ernährung durch Aufnahme von gelösten organischen Substanzen (DOM), insbesondere Photo-Oxidationsprodukte von Huminstoffen.
Überwinterung
Reduzierter Stoffwechsel in kalten Perioden.
Ökologie
Ökologische Rolle
Zentraler Akteur in der mikrobiellen Schleife; wandelt gelösten Kohlenstoff in Biomasse um, die für höhere Trophiestufen (Flagellaten) verfügbar ist.
Natürliche Feinde
Heterotrophe Nanoflagellaten (HNF) und Bakteriophagen.
Konkurrenzarten
Andere pelagische Süßwasserbakterien wie Actinobacteria (z.B. acl-Stammbaum).
Ökosystemleistung
Selbstreinigung von Gewässern durch Abbau organischer Fracht und Nährstoffrecycling.
Bedrohungen
Starke Versauerung oder extreme chemische Verschmutzung von Gewässern.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Pelagische Zone von Süßwasserseen, Teichen und Flüssen weltweit; besonders häufig in sauren, huminstoffreichen (dystrophen) Gewässern sowie in oligotrophen Hochgebirgsseen.
Ökologische Rolle
Schlüsselrolle im mikrobiellen Loop von Süßwassersystemen; macht oft 10-60 % der gesamten bakteriellen Biomasse aus. Wichtiger Glied in der Nahrungskette als Beute für Nanoflagellaten.