Gemeine Schnauzenschnecke
Bithynia tentaculata
Die Gemeine Schnauzenschnecke ist eine weit verbreitete Süßwasserschnecke aus der Familie der Bithyniidae. Sie zeichnet sich durch ein kegelförmiges Gehäuse und einen kalkigen Deckel (Operculum) mit konzentrischen Ringen aus. Die Art besiedelt bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit reichem Pflanzenwuchs. Eine Besonderheit ist ihre duale Ernährungsweise: Sie kann sowohl Algen von Oberflächen abweiden als auch Plankton aus dem Wasser filtern.

Details
Erkennungsmerkmale
Kegelförmiges Gehäuse mit 5-6 Windungen, Operculum mit konzentrischen Ringen (nicht spiralig), rüsselförmige Schnauze, Fühler lang und dünn.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch, bildet jedoch bei gutem Nahrungsangebot oft sehr dichte Populationen.
Ernährung
Omnivorer Generalist; weidet Periphyton und Detritus ab, nutzt aber auch die Kiemenfiltration zur Aufnahme von Phytoplankton.
Laichsubstrat
Festes Substrat wie Steine, Totholz oder die Unterseite von Wasserpflanzenblättern.
Überwinterung
Überwinterung im Sediment oder an abgestorbenen Pflanzenteilen am Gewässergrund.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument und Glied in der Nahrungskette; dient als Zwischenwirt für diverse Saugwürmer (Trematoden).
Natürliche Feinde
Fische (z.B. Schleie, Karpfen), Wasservögel (Enten), räuberische Insektenlarven und Egel.
Konkurrenzarten
Andere kleine Süßwasserschnecken wie die Spitze Sumpfdeckelschnecke oder Posthornschnecken.
Ökosystemleistung
Trägt zur Wasserklärung durch Filtration und zur Kontrolle des Algenwuchses bei.
Bedrohungen
Habitatverlust durch Uferverbauung, übermäßige Eutrophierung und Pestizideintrag in Gewässer.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Wichtigstes Merkmal ist das kalkige Operculum mit konzentrischen Ringen (im Gegensatz zu den spiraligen Deckeln der Valvatidae). Die Schnauze ist rüsselartig verlängert. Im Vergleich zu Bithynia leachii ist das Gehäuse von B. tentaculata deutlich größer und die Windungen sind weniger stark gewölbt.
Ernährung
Kieselalgen (Diatomeen), Grünalgen, Detritus und suspendiertes Phytoplankton.
Fortpflanzung
Getrenntgeschlechtlich. Die Eiablage erfolgt meist von Mai bis Juli. Die Eier werden in charakteristischen, zwei- bis dreireihigen, länglichen Laichkapseln auf festen Oberflächen (Steine, Pflanzen) abgelegt.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Primärkonsument, der benthische und pelagische Ressourcen nutzt. Dient als Zwischenwirt für zahlreiche Trematoden (Saugwürmer).
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Verlust von Lebensraum durch Gewässerausbau, Uferverbauung und die Zerstörung von Makrophytenbeständen. Extreme chemische Verschmutzung.
Schutzmaßnahmen
Schutz und Renaturierung von Uferzonen, Förderung der Makrophytenvegetation und Reduktion von Schadstoffeinträgen.