Spitze Blasenschnecke
Physella acuta
Die Spitze Blasenschnecke ist eine sehr anpassungsfähige Süßwasserschnecke, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Sie zeichnet sich durch ein linksgewundenes, oft durchscheinendes Gehäuse und eine hohe Toleranz gegenüber organisch belastetem Wasser aus. In Europa gilt sie als etabliertes Neobiota und besiedelt eine Vielzahl von stehenden und fließenden Gewässern, wobei sie oft durch Aquaristik oder Pflanzenhandel verbreitet wird.
Details
Erkennungsmerkmale
Linksgewundenes, eiförmiges Gehäuse; Gehäusewand dünn und durchscheinend; Fühler lang und fadenförmig; Mantellappen mit fingerartigen Fortsätzen.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch, bildet jedoch bei gutem Nahrungsangebot sehr dichte Populationen.
Ernährung
Generalistischer Allesfresser; ernährt sich von Algenaufwuchs, Detritus, Fischfutterresten und abgestorbenen Pflanzenteilen.
Jagdstrategie
Abweiden von Oberflächen mittels einer Radula.
Laichsubstrat
Glatte Oberflächen wie Wasserpflanzen, Steine, Holz oder Aquarienscheiben.
Überwinterung
Überwintert im Sediment oder an tiefer liegenden Pflanzenteilen in einer Kältestarre.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Destruent in aquatischen Systemen; trägt zum Nährstoffkreislauf durch Abbau organischer Stoffe bei.
Natürliche Feinde
Raubschnecken (z.B. Anentome helena), Fische (Schmerlen, Kugelfische), Egel, Wasservögel und räuberische Insektenlarven.
Konkurrenzarten
Andere Süßwasserschnecken wie Lymnaea stagnalis oder Planorbarius corneus.
Ökosystemleistung
Algenkontrolle und Reinigung von Oberflächen in Gewässern.
Bedrohungen
Keine wesentlichen Bedrohungen; profitiert von menschlichen Einflüssen und Erwärmung.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Hauptmerkmal ist das linksgewundene Gehäuse mit einer sehr großen, weiten Mündung, die etwa 3/4 der Gesamthöhe einnimmt. Im Gegensatz zur heimischen Physa fontinalis ist das Gewinde bei P. acuta spitzer und die Windungen sind weniger stark gewölbt. Zudem besitzt sie einen charakteristischen Mantelsaum mit fingerförmigen Fortsätzen, die über den Gehäuserand geschlagen werden können.
Ernährung
Periphyton (Aufwuchs), Algen, Detritus, Bakterienfilme und gelegentlich absterbendes Pflanzenmaterial.
Fortpflanzung
Hermaphroditisch (Zwitter); Fremdbefruchtung ist die Regel, Selbstbefruchtung ist bei Isolation möglich. Die Eier werden in gallertartigen, nierenförmigen Kapseln an festen Oberflächen abgelegt.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Primärkonsument; dient als Bindeglied zwischen Primärproduktion (Algen) und höheren trophischen Ebenen.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Keine; die Art ist extrem anpassungsfähig und profitiert oft von menschlichen Einflüssen (Eutrophierung, Erwärmung).
Schutzmaßnahmen
Keine Schutzmaßnahmen erforderlich; Monitoring der Ausbreitung in sensiblen Ökosystemen wird empfohlen.