Nierentierchen
Colpidium colpoda
Colpidium colpoda ist ein einzelliges Wimpertierchen mit einer charakteristischen Nierenform. Es erreicht eine Länge von etwa 50 bis 150 Mikrometern und ist vollständig mit Zilien bedeckt, die der Fortbewegung dienen. Diese Art ist ein bekannter Indikator für stark organisch belastete Gewässer (Polysaprobier). Sie ernährt sich hauptsächlich von Bakterien, die sie durch einen speziellen Mundtrichter aufnimmt und so eine wichtige Rolle im mikrobiellen Loop spielt.

Details
Erkennungsmerkmale
Nierenförmiger Körper, gleichmäßige Bewimperung, kontraktile Vakuole im hinteren Drittel, großer Makronukleus, Größe 50-150 µm.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch, bildet jedoch bei reichem Nahrungsangebot (Bakterienblüten) extrem dichte Populationen.
Ernährung
Reiner Bakterienfresser (Bakterivore), der Bakterien aus dem Wasser filtriert.
Jagdstrategie
Erzeugung eines Wasserstroms durch Zilienbewegung, um Bakterien in das Peristom zu leiten.
Überwinterung
Bildung von Dauerstadien (Cysten) bei ungünstigen Umweltbedingungen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Konsument 1. Ordnung im mikrobiellen Loop; wandelt bakterielle Biomasse in für höhere Organismen verfügbare Energie um.
Natürliche Feinde
Größere räuberische Ciliaten (z. B. Didinium), Rädertierchen und kleine planktische Krebstiere.
Konkurrenzarten
Andere bacterivore Wimpertierchen wie Paramecium oder Glaucoma.
Ökosystemleistung
Trägt zur biologischen Selbstreinigung von Gewässern und zur Abwasserreinigung in Kläranlagen bei.
Bedrohungen
Keine akute Gefährdung; empfindlich gegenüber toxischen Chemikalien, die das bakterielle Leben vernichten.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Süßwasserökosysteme, insbesondere stehende oder langsam fließende Gewässer mit hoher organischer Belastung. Häufig in Belebtschlamm von Kläranlagen und in polysaproben Gewässern zu finden.
Fortpflanzung
Asexuelle Vermehrung durch binäre Querteilung. Unter Stressbedingungen kann Konjugation (sexueller Prozess zum Genaustausch) stattfinden.
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument im mikrobiellen Loop; reguliert Bakterienpopulationen und dient als Bindeglied zu höheren trophischen Ebenen.