Schleie
Tinca tinca
Die Schleie ist ein robuster Süßwasserfisch, der durch seine sehr kleinen Schuppen und eine extrem dicke, schützende Schleimschicht gekennzeichnet ist. Sie bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit schlammigem Grund und dichtem Pflanzenwuchs. Die Art ist bekannt für ihre außerordentliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Sauerstoffmangel und sauren Milieus. Im Winter verfällt sie häufig in eine Kältestarre, die sie tief im Schlamm eingegraben verbringt.

Details
Erkennungsmerkmale
Sehr kleine Rundschuppen, rötliche Iris, zwei kurze Barteln, abgerundete Flossenränder, tiefgrüne bis goldbraune Färbung.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen lebend; tagsüber meist versteckt in der Vegetation.
Ernährung
Nahrung besteht aus Insektenlarven, Schnecken, Muscheln und kleinen Krebstieren, die aus dem Schlamm gewühlt werden.
Jagdstrategie
Gründeln im Schlamm (Saug-Schnapp-Mechanismus) zur Aufnahme von Benthos-Organismen.
Laichsubstrat
Feinfiedrige Wasserpflanzen (phytophiler Laicher).
Überwinterung
Kältestarre im Schlamm eingegraben.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Konsument im benthischen Nahrungsnetz und Beute für große Raubfische.
Natürliche Feinde
Hecht, Wels, Fischotter, Kormoran, Graureiher.
Konkurrenzarten
Karpfen und Brachsen (Nahrungskonkurrenz im Benthal).
Ökosystemleistung
Wirtschaftlich bedeutend in der Teichwirtschaft und als beliebter Fisch für die Angelfischerei.
Bedrohungen
Verlust von Flachwasserzonen durch Uferverbauung und Entwässerung von Feuchtgebieten.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Morphologie & Identifikation
Färbung
Dunkelgrün bis olivbraun mit goldenem Glanz; Bauchseite gelblich; auffällig orangerote Iris.
Erkennungsmerkmale
Sehr kleine Schuppen (90-115 an der Seitenlinie), ein Paar kurze Barteln am Mundwinkel, alle Flossen stark abgerundet.
Verwechslungsarten
Karausche (Carassius carassius) - hat keine Barteln; Giebel (Carassius gibelio) - hat keine Barteln und größere Schuppen.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen haben deutlich größere, löffelförmige Bauchflossen, deren zweiter Strahl verdickt ist; Weibchen haben kleinere, spitzere Bauchflossen.
Habitat & Lebensraum
Fischregion
Brachsenregion (Blei-Region) sowie stehende Gewässer (Seen, Teiche, Altarme).
Bevorzugte Zone
Benthal (Bodenbereich) im Litoral (Uferzone) mit dichter Unterwasservegetation.
Strömungspräferenz
Limnophil; bevorzugt stehende bis sehr langsam fließende Gewässer.
Substratpräferenz
Feinkörnige, schlammige Substrate mit hohem Anteil an organischem Detritus.
Sauerstoffbedarf
Sehr gering; kann extrem niedrige Sauerstoffgehalte durch Notatmung und Stoffwechselanpassung tolerieren.
Migration
Wanderverhalten
Potamodrom; führt kurze Wanderungen zwischen tiefen Winterlagern und flachen, vegetationsreichen Laichgründen durch.
Fortpflanzung
Laichsubstrat
Phytophil; Eier werden an feinblättrigen Wasserpflanzen (z.B. Myriophyllum, Elodea) abgelegt.