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Fisch

Barbe

Barbus barbus

RL LC§ Geschützt🔬 Zeigerart🦅 Wanderart

Die Barbe (Barbus barbus) ist ein kräftiger, spindelförmiger Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenartigen. Sie ist die namensgebende Leitfischart der Barbenregion und bevorzugt schnell fließende, sauerstoffreiche Gewässer mit sandigem oder kiesigem Grund. Charakteristisch sind ihr unterständiges Rüsselmaul und die vier dicken Barteln an der Oberlippe, die zur Nahrungssuche im Sediment dienen. Während der Fortpflanzungszeit unternehmen Barben teils weite Wanderungen flussaufwärts, um ihre Eier an flachen, kiesigen Stellen abzulegen.

Details

👁️

Erkennungsmerkmale

Vier Barteln an der Oberlippe, unterständiges Rüsselmaul, spindelförmiger Körper, harter und gezähnter dritter Strahl der Rückenflosse.

🐠

Sozialverhalten

Gesellige Art, die in Schulen lebt; besonders Jungfische und ruhende Adulte bilden oft größere Gruppen.

🍽️

Ernährung

Ernährt sich benthisch von Insektenlarven, Flohkrebsen, Muscheln, Schnecken und gelegentlich von kleinen Fischen.

🎯

Jagdstrategie

Durchwühlt den Bodengrund mit dem Rüsselmaul; die Barteln dienen zur Ortung von Beutetieren im Sediment.

🥚

Laichsubstrat

Sauberer Kies und grober Sand (lithophil).

❄️

Überwinterung

Winterruhe in tieferen, strömungsarmen Gumpen oder ruhigen Flussabschnitten.

Ökologie

🌍

Ökologische Rolle

Wichtiger Konsument im Benthos und Beutetier für große Raubfische (Wels, Hecht) sowie fischfressende Vögel und Säugetiere.

🦅

Natürliche Feinde

Wels, Hecht, Kormoran, Gänsesäger, Fischotter.

⚔️

Konkurrenzarten

Brachse, Döbel, Nase (teilweise Überlappung der Nahrungsnische oder des Lebensraums).

🌟

Ökosystemleistung

Bioturbation des Sediments bei der Nahrungssuche, was den Nährstoffkreislauf und die Sauerstoffversorgung im Kies fördert.

⚠️

Bedrohungen

Querverbauungen (Wanderhindernisse), Verlust von Kieslaichplätzen durch Versedimentierung, Gewässerverschmutzung.

Wissenschaftlicher Steckbrief

Morphologie & Identifikation

Familie
Karpfenfische (Cyprinidae)
Körperlänge
30 – 100 cm
Maximalgröße
100
Gewicht
1 – 10 kg
Maximalgewicht
12
Lebenserwartung
10 – 25 years
Körperform
Spindelförmig, im Querschnitt fast rund, mit abgeflachter Bauchseite; perfekt an die Strömung angepasst.
Schuppenformel
55-65 (LL)
Flossenformel
D III-IV/7-9, A II-III/5, P I/15-17, V II/8

Färbung

Rücken olivgrün bis graubraun, Flanken goldgelb bis bronzefarben schimmernd, Bauch weißlich. Paarige Flossen oft rötlich überhaucht.

Erkennungsmerkmale

Vier dicke Barteln an der fleischigen Oberlippe (zwei vorne, zwei in den Mundwinkeln). Rüsselartiges, unterständiges Maul. Letzter ungeteilter Rückenflossenstrahl kräftig und hinten gezähnt (Unterschied zur Hundsbarbe).

Verwechslungsarten

Hundsbarbe (Barbus meridionalis) - hat jedoch einen glatten Rückenflossenstrahl; Gründling (Gobio gobio) - deutlich kleiner, besitzt nur zwei Barteln.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen entwickeln zur Laichzeit einen feinkörnigen Laichausschlag am Kopf und am Rücken; Weibchen sind im Durchschnitt deutlich größer und massiger als gleichaltrige Männchen.

Habitat & Lebensraum

Tiefenbereich
0.5 – 10 m
Temperaturbereich
4 – 28 °C
pH-Bereich
7 – 8.5 pH

Fischregion

Barbenregion (Epipotamon)

Bevorzugte Zone

Benthisch (bodennah)

Strömungspräferenz

Rheophil; bevorzugt schnell fließende, sauerstoffreiche Gewässerabschnitte mit turbulenter Strömung.

Substratpräferenz

Lithophil; bevorzugt sauberen Kies, Schotter und groben Sand ohne starke Verschlammung.

Sauerstoffbedarf

Hoch; benötigt gut durchlüftetes Wasser (> 6-7 mg/L), reagiert empfindlich auf organische Belastung und Sauerstoffzehrung.

Migration

Migrationstyp
Potamodrom (Süßwasser-Wanderer)
Wanderdistanz
10 – 300 km

Wanderverhalten

Potamodrom; unternimmt im Frühjahr ausgedehnte Laichwanderungen flussaufwärts (bis zu 300 km), um geeignete Kiesbänke in flacheren Bereichen zu erreichen.

Fortpflanzung

LaichzeitMai – Jul
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Laichtemperatur
12 – 20 °C
Eizahl
3000 – 100000 eggs
Eigröße
1.5 – 2.5 mm
Brutdauer (Tage)
5 – 15 days
Geschlechtsreife (Jahre)
3 – 8 years

Laichsubstrat

Kiesig-steiniger Untergrund (Lithophil) in flachen, schnell fließenden und gut durchströmten Bereichen.

Larvalphase

Nach dem Schlüpfen halten sich die Larven zunächst im Lückensystem des Kieses (Interstitial) auf, bevor sie in strömungsberuhigte, flache Uferzonen abwandern.

Brutpflege

Keine Brutpflege; die klebrigen Eier werden im Kies abgelegt und die Larven sind nach dem Schlupf auf sich allein gestellt.

Ernährung

Aktivität
Dämmerungsaktiv

Ernährungstyp

Benthivor (Bodenfresser)

Nahrung Jungfische

Kleinstlebewesen des Zooplanktons und kleine benthische Invertebraten wie Chironomiden-Larven.

Nahrung erwachsen

Wirbellose (Insektenlarven, Mollusken, Crustaceen, Anneliden), gelegentlich Fischlaich oder kleine Fische (z. B. Koppen).

Jagdstrategie

Sucht den Gewässergrund mit den hochempfindlichen Barteln nach Nahrung ab; wühlt dabei aktiv im Substrat und dreht Steine um.

Schwarmverhalten

Gesellig; bildet außerhalb der Laichzeit oft Trupps oder Schulen, die gemeinsam in tieferen Gumpen oder unter Unterständen ruhen.

Ökologische Bedeutung

Saprobie-Wert
2

Rolle im Nahrungsnetz

Sekundärkonsument; wichtiges Bindeglied zwischen benthischer Produktion und großen Raubfischen sowie fischfressenden Vögeln.

Natürliche Feinde

Hecht, Wels, Kormoran, Fischotter; Jungfische werden zudem von Barschen und Forellen erbeutet.

Konkurrenten

Nase (Chondrostoma nasus) bei der Nutzung von Laichplätzen; Brachse (Abramis brama) in den Übergangszonen zu ruhigeren Abschnitten.

Parasiten

Verschiedene Trematoden, Nematoden, Kratzer (Acanthocephala) und Fischläuse (Argulus foliaceus).

Bioindikator-Funktion

Leitart der Barbenregion; Indikator für gute Wasserqualität (Güteklasse II) und die ökologische Durchgängigkeit von Fließgewässersystemen.

Fischerei & Recht

Mindestmaß (cm)
40

Fischereiliche Regelung

Gesetzlich geregelt durch Landesfischereiverordnungen; unterliegt Schonzeiten und Mindestmaßen.

Schonzeit

Regional unterschiedlich, meist vom 01.05. bis 15.06. (z. B. Bayern, NRW).

Wirtschaftliche Nutzung

Bedeutender Sportfisch für die Angelfischerei; kommerziell von geringer Bedeutung aufgrund vieler Zwischenmuskelgräten, lokal jedoch als Speisefisch geschätzt.

Schutz & Bedrohung

IUCN Rote-Liste-StatusNicht gefährdet (LC)
LC
NT
VU
EN
CR
EW
EX
FFH-Anhang
V

Hauptbedrohungen

Querverbauungen (Verlust der Durchgängigkeit), Verlust von Kieslaichplätzen durch Feinsedimentation, Gewässerverschmutzung und Kormoranfraß in kleinen Beständen.

Bestandstrend

Stabil bis leicht erholend in Mitteleuropa infolge von Renaturierungsmaßnahmen, jedoch lokal durch Habitatfragmentierung weiterhin gefährdet.

Schutzmaßnahmen

Wiederherstellung der longitudinalen Durchgängigkeit (Fischaufstiegshilfen), Revitalisierung von Kiesbänken, Reduktion von Nährstoff- und Feinsedimenteinträgen.

Quellen

Wikipedia →