Abwasserpilz
Sphaerotilus
Sphaerotilus ist eine Gattung fadenförmiger Bakterien, die zur Ordnung der Burkholderiales gehört. Die Zellen sind stäbchenförmig und wachsen in langen Ketten innerhalb einer schützenden organischen Scheide. In nährstoffreichen, fließenden Gewässern bildet die Art Sphaerotilus natans oft massenhafte, wattebauschähnliche Kolonien, die als Abwasserpilz bekannt sind. Sie sind ein klassischer Indikator für eine starke Belastung mit biologisch leicht abbaubaren organischen Stoffen.

Details
Erkennungsmerkmale
Fadenförmiges Wachstum, Bildung von Scheiden, stäbchenförmige Einzelzellen (1-2 x 3-10 µm), Bildung von Schwärmzellen mit polaren Geißeln.
Sozialverhalten
Bildung von fädigen Kolonien (Biofilmen) durch Anheftung an Substrate mittels Haftscheiben.
Ernährung
Nutzt gelöste organische Stoffe wie Zucker, Alkohole, Aminosäuren und organische Säuren (chemoorganotroph).
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtige Rolle beim Abbau organischer Fracht in Fließgewässern; kann bei Massenentwicklung Sauerstoffzehrung verursachen.
Natürliche Feinde
Protozoen (Wimperntierchen), Rädertierchen und kleine Oligochaeten.
Konkurrenzarten
Andere fadenförmige Bakterien wie Beggiatoa oder Pilze bei niedrigerem pH-Wert.
Ökosystemleistung
Selbstreinigung von Gewässern durch Abbau von Kohlenhydraten und Stickstoffverbindungen.
Bedrohungen
Verbesserung der Abwasserreinigung (Nährstoffentzug), extreme pH-Werte.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Typischerweise in fließenden Gewässern mit starker organischer Belastung, insbesondere durch Abwässer aus der Lebensmittelindustrie (Zuckerfabriken, Molkereien) oder Papierfabriken. Es besiedelt die polysaprobe bis alpha-mesosaprobe Zone und benötigt eine ständige Zufuhr von gelösten Nährstoffen bei gleichzeitigem Vorhandensein von gelöstem Sauerstoff.
Ökologische Rolle
Sphaerotilus spielt eine zentrale Rolle beim Abbau gelöster organischer Stoffe in belasteten Gewässern. Bei Massenentwicklungen kann es jedoch das Makrozoobenthos ersticken, Fischlaich schädigen und durch nächtliche Sauerstoffzehrung zu Fischsterben führen.