Fluss-Schwimmschnecke
Theodoxus fluviatilis
Die Fluss-Schwimmschnecke, auch Gemeine Kahnschnecke genannt, besitzt ein sehr dickwandiges, halbkugeliges Gehäuse mit einer charakteristischen Netz- oder Zickzack-Musterung. Sie besiedelt bevorzugt saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer sowie die Brandungszonen großer Seen auf Steinen oder Totholz. Als Weidegänger ernährt sie sich von Biofilmen und Kieselalgen, wobei sie eine hohe Strömungstoleranz aufweist. Die Art ist getrenntgeschlechtlich und legt Eikapseln ab, aus denen jeweils nur ein Jungtier schlüpft.

Details
Erkennungsmerkmale
Halbkugeliges, sehr festes Gehäuse; Mündung mit halbmondförmigem Deckel (Operculum); variabel gemustert (meist dunkel mit hellen Flecken); Unterseite flach.
Sozialverhalten
Tritt oft gesellig in hohen Dichten auf geeigneten Steinen auf, zeigt jedoch kein komplexes Sozialverhalten.
Ernährung
Weidet mit der Radula (Raspelzunge) Algenaufwuchs, insbesondere Kieselalgen, und organische Biofilme von Steinen ab.
Laichsubstrat
Harte Oberflächen wie Steine, Totholz oder die Gehäuse von Artgenossen.
Überwinterung
Verbleibt am Gewässergrund und reduziert bei niedrigen Temperaturen die Stoffwechselaktivität.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument, der das Algenwachstum auf Hartsubstraten reguliert und als Nahrungsquelle für Fische dient.
Natürliche Feinde
Fische (z. B. Karpfen, Schleie, Grundeln), Wasservögel und räuberische Insektenlarven.
Konkurrenzarten
Andere weidende Schnecken wie die Neuseeländische Deckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum).
Ökosystemleistung
Trägt zur Gewässerreinigung bei, indem sie Algenbeläge kontrolliert und Nährstoffe im Nahrungsnetz bindet.
Bedrohungen
Gewässerausbau, Verschlammung der Sohle, Eutrophierung und Ausbreitung invasiver Arten wie der Schwarzmund-Grundel.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Wichtigstes Merkmal ist das Operculum, das an der Innenseite einen kräftigen Fortsatz (Apophyse) besitzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Süßwasserschnecken fehlt ein Nabel (Umbilicus). Die Gehäuseoberfläche ist glatt und glänzend. Die Form ist deutlich flacher als bei Viviparidae oder Lymnaeidae.
Ernährung
Primär Kieselalgen (Diatomeen), aber auch Grünalgen, Cyanobakterien und Detritus, die im benthischen Biofilm vorkommen.
Fortpflanzung
Getrenntgeschlechtlich. Die Weibchen legen ca. 1 mm große, eiförmige Kapseln auf Hartsubstrat (oft auf die Gehäuse von Artgenossen) ab. Eine Kapsel enthält 30-70 Eier, von denen sich jedoch nur ein einziger Embryo entwickelt, während die restlichen Eier als Nähreier dienen.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Primärkonsument in Fließgewässern; kontrolliert das Algenwachstum auf Hartsubstraten und dient als Beute für spezialisierte Prädatoren.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Gewässerausbau (Uferbefestigung, Stauregulierung), Versandung der Gewässersohle (Kolmatierung), chemische Belastung (Insektizide, Herbizide) und Konkurrenz durch invasive Arten wie Potamopyrgus antipodarum.
Schutzmaßnahmen
Wiederherstellung natürlicher Fließdynamik, Schutz und Wiederherstellung von Kieslaichplätzen, Reduktion von Feinsedimenteinträgen aus der Landwirtschaft, Verbesserung der Durchgängigkeit.