Auen-Schenkelbiene
Macropis europaea
Die Auen-Schenkelbiene ist eine mittelgroße, solitäre Wildbiene, die eng an Feuchtgebiete und Auenlandschaften gebunden ist. Sie ist eine hochspezialisierte Art, die Pollen und Pflanzenöle fast ausschließlich von Gilbweiderich-Arten (Lysimachia) sammelt. Die Weibchen nutzen das gesammelte Öl zur Auskleidung ihrer unterirdischen Nester und zur Vermischung mit Pollen als Larvennahrung.

Details
Erkennungsmerkmale
Weibchen mit weiß behaarten Hinterschienen (Tibia); Männchen mit auffällig keulenförmig verdickten Hinterschenkeln (Femur) und gelber Maske im Gesicht.
Sozialverhalten
Solitäre Lebensweise; die Weibchen legen ihre Nester eigenständig im Boden an, oft in kleinen Aggregationen.
Ernährung
Oligolektisch spezialisiert auf Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris und L. punctata); sammelt Öl statt Nektar zur Larvenaufzucht.
Laichsubstrat
Selbst gegrabene Gänge in mineralischem Boden, oft an vegetationsarmen Böschungen oder unter Krautschichten.
Überwinterung
Überwinterung als Ruhelarve (Präpuppe) im Kokon innerhalb der Nestzelle.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Bestäuber für Gilbweiderich-Arten und Wirt für die seltene Schmuckbiene (Epeoloides coecutiens).
Natürliche Feinde
Kuckucksbienen (Epeoloides coecutiens), insektenfressende Vögel und Spinnen.
Konkurrenzarten
Andere Macropis-Arten wie die Wald-Schenkelbiene (Macropis fulvipes).
Ökosystemleistung
Bestäubung von Wildpflanzen in Feuchtgebieten.
Bedrohungen
Zerstörung von Feuchtgebieten, Grundwasserabsenkung und Verlust von Gilbweiderich-Beständen durch intensive Mahd.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Spezialisierte Ölsammelbiene. Weibchen besitzen stark verbreiterte Hinterbeine mit dichter, weißer Behaarung zum Transport von Blütenöl und Pollen. Männchen haben charakteristisch geformte Hinterbeine und eine gelbe Gesichtszeichnung. Unterscheidung von M. fulvipes durch die weiße (nicht gelbliche) Behaarung der Hintertibien beim Weibchen und Genitalmerkmale beim Männchen.
Lebensraum
Feuchtgebiete, Auenlandschaften, Bach- und Flussufer, feuchte Waldränder, Moore und Gärten mit Beständen von Gilbweiderich.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Verlust von Feuchtlebensräumen durch Entwässerung, intensive Mahd von Gewässerrändern (Beseitigung der Wirtspflanzen) und Fragmentierung der Habitate.
Bestandstrend
In Deutschland weit verbreitet und meist stabil, jedoch regional durch den Rückgang von Feuchtwiesen und naturnahen Ufern gefährdet (Rote Liste Deutschland: V - Vorwarnliste).
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Wiederherstellung von Feuchtgebieten, Schutz von Lysimachia-Beständen, Verzicht auf Mahd während der Blütezeit an Gräben und Ufern.