Nicht-Cholera-Vibrionen
Vibrio spp. (non-cholerae)
Nicht-Cholera-Vibrionen umfassen diverse Arten der Gattung Vibrio, mit Ausnahme der klassischen Cholera-Erreger (V. cholerae O1/O139). Sie sind halophil (salzliebend) und kommen weltweit in Küstengewässern, Ästuaren und Brackwasserzonen vor. Bei Wassertemperaturen über 20 °C vermehren sie sich massiv und können bei Menschen Wundinfektionen, Sepsis oder Gastroenteritis verursachen. Ökologisch spielen sie eine zentrale Rolle beim Abbau von organischem Material, insbesondere von Chitin.
Details
Erkennungsmerkmale
Gramnegative Stäbchen, oft leicht gekrümmt (kommaförmig), monotrich begeißelt (sehr beweglich), Wachstum auf TCBS-Agar (Thiosulfat-Citrat-Galle-Saccharose).
Sozialverhalten
Bildung von Biofilmen auf biotischen und abiotischen Oberflächen sowie Quorum Sensing zur Kommunikation der Populationsdichte.
Ernährung
Chemoorganotroph; sie nutzen gelöste organische Stoffe, Algenexsudate und bauen komplexe Polymere wie Chitin ab.
Überwinterung
Eintritt in einen metabolisch inaktiven, aber lebensfähigen Zustand (VBNC - viable but non-culturable) bei niedrigen Temperaturen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtige Destruenten im marinen Ökosystem; sie sind Hauptverantwortliche für den Chitin-Abbau und dienen als Nahrung für Nanoflagellaten.
Natürliche Feinde
Bakteriophage Viren, heterotrophe Nanoflagellaten und filtrierende Organismen wie Muscheln.
Konkurrenzarten
Andere marine Bakterien wie Pseudomonas oder Flavobacterium-Arten.
Ökosystemleistung
Nährstoffrecycling (Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf) in marinen Umgebungen.
Bedrohungen
Nicht gefährdet; profitieren von der anthropogenen Erwärmung der Ozeane.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Weltweit in marinen, ästuarinen und küstennahen Gewässern. Sie bevorzugen warme Temperaturen (> 18-20 °C) und moderate Salzgehalte (Brackwasser, 0,5 % bis 2,5 % NaCl). Häufig an Partikel oder Plankton gebunden.
Ökologische Rolle
Wichtige Destruenten im marinen Ökosystem; sie spielen eine zentrale Rolle im Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf. Sie sind bekannt für ihre Fähigkeit, komplexes organisches Material wie Chitin abzubauen.