Flossen-Rädertier
Polyarthra
Das Flossen-Rädertier ist ein weit verbreiteter Bestandteil des limnischen Zooplanktons und gehört zur Familie der Synchaetidae. Es zeichnet sich durch das Fehlen eines Fußes und den Besitz von zwölf schwertförmigen Anhängen aus, die in vier Bündeln angeordnet sind. Diese 'Flossen' ermöglichen dem Tier bei Gefahr ruckartige Sprungbewegungen zur Flucht vor Räubern. Die Gattung umfasst mehrere Arten, die oft koexistieren und sich in ihrer Größe und ökologischen Nische unterscheiden.

Details
Erkennungsmerkmale
Körper meist rechteckig oder sackförmig; zwölf blatt- oder schwertförmige Flossen in vier Gruppen; kein Fuß vorhanden; Mastax vom virgaten Typ.
Sozialverhalten
Lebt als solitäres Individuum im Pelagial von Seen und Teichen.
Ernährung
Ernährt sich primär von Phytoplankton, wobei kleine Flagellaten wie Cryptomonas bevorzugt werden.
Jagdstrategie
Strudler, der Nahrungspartikel mit dem Räderorgan einfängt; gezieltes Ergreifen mit dem Mastax.
Laichsubstrat
Eier werden entweder ins freie Wasser abgegeben oder kurzzeitig am Körper getragen.
Überwinterung
Bildung von dickwandigen Dauereiern, die im Sediment überdauern können.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument und Bindeglied im mikrobiellen Loop sowie Nahrungsquelle für räuberisches Zooplankton und Fischlarven.
Natürliche Feinde
Räuberische Rädertiere (z.B. Asplanchna), Copepoden, Wasserflöhe und Fischlarven.
Konkurrenzarten
Andere herbivore Zooplankter wie Keratella-Arten oder kleine Cladoceren.
Ökosystemleistung
Trägt zur Regulation der Algenbiomasse und zum Nährstoffkreislauf in aquatischen Ökosystemen bei.
Bedrohungen
Eutrophierung, chemische Verschmutzung (Insektizide) und starke Versauerung der Gewässer.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Besitzt 12 seitliche Anhänge (Flossen), die durch kräftige Muskeln für ruckartige Sprungbewegungen (Fluchtreaktion) genutzt werden. Ein Fuß fehlt vollständig. Der Mastax (Kauer) ist vom virgaten Typ (Saugkauer). Die Gattung Polyarthra umfasst mehrere Arten, die sich primär durch die Form und Länge dieser Flossen sowie die Lage der Kerne in den Vitellarien unterscheiden.
Fortpflanzung
Heterogonie: Über weite Teile des Jahres erfolgt die Vermehrung ungeschlechtlich durch diploide Parthenogenese (amiktische Weibchen). Unter Stressbedingungen treten miktische Weibchen auf, die haploide Eier produzieren (aus denen Männchen schlüpfen) oder nach Befruchtung Dauereier bilden.
Rolle im Nahrungsnetz
Zentrales Bindeglied im pelagischen Nahrungsnetz; kontrolliert die Populationen von Nanophytoplankton (Flagellaten) und dient als Energiequelle für höhere trophische Ebenen.
Schutz & Bedrohung
Status nicht auf Standardskala
Hauptbedrohungen
Extreme Eutrophierung, die zu Sauerstoffmangel führt; chemische Belastung durch Pestizide; Klimawandel (Erwärmung), der insbesondere kaltstenotherme Arten der Gattung verdrängen kann.