Ohrschlammschnecke
Radix auricularia
Die Ohrschlammschnecke ist eine Wasserlungenschnecke mit einem dünnwandigen, hellbraunen Gehäuse. Das auffälligste Merkmal ist die stark vergrößerte, ohrförmige Mündung des Gehäuses, die den Rest des Gewindes oft überragt. Sie besiedelt bevorzugt stehende oder langsam fließende, nährstoffreiche Gewässer mit reichem Pflanzenwuchs und ist in ganz Europa sowie Teilen Asiens verbreitet.

Details
Erkennungsmerkmale
Ohrförmig erweiterte Mündung, sehr kurzes und spitzes Gewinde, Gehäuse meist breiter als hoch, Fühler breit und dreieckig.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch, tritt jedoch bei gutem Nahrungsangebot oft in hohen Individuendichten auf.
Ernährung
Weidet Algenaufwuchs (Periphyton) und Biofilme von Oberflächen ab, frisst zudem Detritus und weiche Pflanzenteile.
Jagdstrategie
Abweiden von Oberflächen mittels der Radula (Raspelzunge).
Laichsubstrat
Wasserpflanzen, Steine, Holz oder andere feste Oberflächen unter Wasser.
Überwinterung
Überwinterung im Sediment oder an tieferen, frostfreien Stellen des Gewässergrundes.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument und Destruent; trägt zur Kontrolle von Algenwachstum und zum Nährstoffkreislauf bei.
Natürliche Feinde
Fische (z. B. Schleie, Karpfen), Wasservögel, räuberische Insektenlarven (Gelbrandkäfer), Egel.
Konkurrenzarten
Andere Schlammschneckenarten (z. B. Lymnaea stagnalis) und verschiedene Tellerschnecken.
Ökosystemleistung
Regulierung von Algenbeständen und Abbau organischer Abfallstoffe im Gewässer.
Bedrohungen
Gewässerverschmutzung durch Pestizide, Habitatverlust durch Uferverbauung und Austrocknung von Kleingewässern.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Das Gehäuse ist rechtsgewunden, dünnwandig und hornfarben. Das wichtigste Merkmal ist die extrem vergrößerte, ohrförmig ausladende Mündung, die deutlich höher als das restliche Gewinde ist. Das Gewinde selbst ist sehr klein, spitz und setzt sich scharf vom letzten, bauchigen Umgang ab. Der Spindelrand ist deutlich umgeschlagen und bildet oft einen schmalen Nabelritz.
Ernährung
Hauptsächlich Periphyton (Aufwuchs), bestehend aus Kieselalgen (Diatomeen), Grünalgen, Cyanobakterien und Detritus. Gelegentlich werden auch weiche Teile lebender Makrophyten verzehrt.
Fortpflanzung
Zwitter (Hermaphrodit) mit meist gegenseitiger Befruchtung. Die Eiablage erfolgt in gallertartigen, länglichen, leicht gekrümmten Kapseln (Laichschnüre), die an Wasserpflanzen oder Steinen befestigt werden. Eine Selbstbefruchtung ist möglich, aber seltener.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Primärkonsument, der pflanzliche Biomasse und Detritus für höhere trophische Ebenen verfügbar macht. Sie dient als Zwischenwirt für verschiedene Trematoden (Saugwürmer).
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Verlust von natürlichen Uferstrukturen durch Verbauung, Trockenlegung von Kleingewässern und übermäßige Eutrophierung, die zu Sauerstoffzehrung im Sediment führt.
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Wiederherstellung naturnaher Flachwasserzonen und Ufervegetation; Vermeidung von Pestizideinträgen in Gewässer.