Gemeine Winterlibelle
Sympecma fusca
Die Gemeine Winterlibelle gehört zur Familie der Lestidae und ist eine der wenigen Libellenarten in Europa, die als Imago überwintert. Sie zeichnet sich durch eine unauffällige, bräunliche Färbung aus, die ihr eine hervorragende Tarnung in vertrockneter Vegetation verleiht. Im Gegensatz zu anderen Teichjungfern legt sie ihre Flügel in Ruhestellung meist eng an den Körper an, anstatt sie gespreizt zu halten.
Details
Erkennungsmerkmale
Hellbraune Grundfarbe mit dunklen Bronzeflecken, Torpedo-Zeichnung auf den Hinterleibssegmenten, Flügelmal (Pterostigma) im Vorderflügel weiter vom Rand entfernt als im Hinterflügel.
Sozialverhalten
Überwiegend einzelgängerisch, bildet jedoch in den Überwinterungshabitaten oft lockere Ansammlungen in sonnenexponierten Vegetationsstrukturen.
Ernährung
Die Larven fressen aquatische Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe und Mückenlarven; die Imagines jagen kleine Fluginsekten wie Mücken und Blattläuse.
Jagdstrategie
Ansitzjäger; die Libelle wartet auf einer Sitzwarte auf Beute oder sucht die Vegetation aktiv nach kleinen Insekten ab.
Laichsubstrat
Abgestorbene Pflanzenteile von Röhrichtpflanzen (z.B. Schilf, Binsen), die im Wasser treiben oder knapp darüber stehen.
Überwinterung
Überwinterung als adultes Insekt (Imago) in schützender Vegetation wie Gräsern, Heidekraut oder an Baumstämmen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Prädator in aquatischen und terrestrischen Nahrungsnetzen; dient selbst als Beute für Vögel und größere Insekten.
Natürliche Feinde
Vögel, Webspinnen, Raubfliegen, größere Libellenarten, Frösche.
Konkurrenzarten
Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca), andere Teichjungfern-Arten.
Ökosystemleistung
Regulierung von Insektenpopulationen, insbesondere von Mücken.
Bedrohungen
Verlust von Kleingewässern, Grundwasserabsenkung, intensive landwirtschaftliche Nutzung der Uferbereiche und Zerstörung von Überwinterungshabitaten.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Einzige Gattung in Mitteleuropa (neben S. paedisca), die als Imago überwintert. Charakteristisch ist die Ruheposition, bei der die Flügel parallel über dem Hinterleib zusammengelegt werden (untypisch für Zygoptera). Das Pterostigma im Vorderflügel ist weiter von der Flügelspitze entfernt als im Hinterflügel. Dunkle Zeichnung auf dem 2. Abdominalsegment ist torpedoförmig.
Rolle im Nahrungsnetz
Sekundärkonsument; wichtige Rolle als Prädator kleiner Invertebraten und als Beute für größere Prädatoren in aquatischen und terrestrischen Systemen.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Zerstörung von Flachwasserzonen durch Entkrautung oder Uferverbauung, intensive Fischereiwirtschaft, Verlust von Überwinterungshabitaten durch Mahd von Brachen und Waldrändern im Winter.
Bestandstrend
Stabil; in Mitteleuropa zeigt die Art aufgrund der Klimaerwärmung eine Tendenz zur Arealerweiterung nach Norden.
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Förderung von Seggenrieden und Röhrichten; Schutz von sonnenexponierten, vegetationsreichen Saumstrukturen als Winterquartiere; Verzicht auf winterliche Mahd in potenziellen Überwinterungsgebieten.