Judasohr
Auricularia auricula-judae
Das Judasohr ist ein weit verbreiteter, gallertartiger Pilz aus der Familie der Auriculariaceae. Er zeichnet sich durch seine charakteristische, muschel- oder ohrenähnliche Form und eine rötlich-braune Färbung aus. Der Pilz wächst vorwiegend saprobiontisch oder als Schwächeparasit an abgestorbenen oder geschwächten Ästen von Laubbäumen, insbesondere am Schwarzen Holunder. Er ist frostresistent und kann das ganze Jahr über gefunden werden.

Details
Erkennungsmerkmale
Ohrenförmig gewundene Fruchtkörper, gallertartige aber zähe Konsistenz, Außenseite fein filzig behaart, Innenseite glatt und glänzend, Farbe rötlich-braun bis oliv-grau.
Ernährung
Ernährt sich saprobiontisch durch den Abbau von Lignin und Cellulose im Holz, was zu einer Weißfäule führt.
Laichsubstrat
Totholz von Laubbäumen, bevorzugt Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), seltener Buche, Ahorn oder Ulme.
Überwinterung
Frostresistent; die Fruchtkörper können bei Frost einfrieren und bei milderen Temperaturen ohne Schaden weiterwachsen und Sporen produzieren.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Holzzersetzer im Ökosystem; trägt zur Humusbildung und zum Nährstoffkreislauf bei.
Natürliche Feinde
Insektenlarven (z.B. von Pilzmücken), Schnecken.
Konkurrenzarten
Andere holzzersetzende Pilzarten wie die Schmetterlings-Tramete.
Ökosystemleistung
Nährstoffrecycling und Abbau organischer Substanz in Laubwäldern und Gebüschen.
Bedrohungen
Übermäßige Entfernung von Totholz in forstwirtschaftlich genutzten Gebieten.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Charakteristische Ohrenform, gallertartige Konsistenz, Frostresistenz (kann gefrieren und wieder auftauen) und die starke Präferenz für den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra). Mikroskopisch durch querseptierte Basidien (Phragmobasidien) gekennzeichnet.
Lebensraum
Auwälder, feuchte Laubmischwälder, Hecken, Parkanlagen und Gärten; bevorzugt Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Fortpflanzung
Sexuelle Vermehrung über Basidiosporen, die an zylindrischen, dreifach querseptierten Basidien gebildet werden.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Derzeit in Mitteleuropa nicht gefährdet. Potenzielle Bedrohungen sind die Entfernung von Totholz und die Rodung von Holundergebüschen in der Agrarlandschaft.
Schutzmaßnahmen
Erhalt von Totholzstrukturen und Förderung von naturnahen Waldrändern sowie Feldgehölzen mit Sambucus-Vorkommen.