Siphoviren
Siphoviridae
Siphoviridae bezeichnen eine Familie von Viren aus der Ordnung Caudovirales, die Bakterien und Archaeen infizieren. Sie besitzen ein ikosaedrisches Kapsid und einen charakteristischen langen, flexiblen, aber nicht-kontraktilen Schwanz. Ihr Erbgut besteht aus einer linearen, doppelsträngigen DNA. In aquatischen Ökosystemen sind sie maßgeblich am 'Viral Shunt' beteiligt, indem sie Biomasse durch Lyse wieder in gelöste organische Stoffe umwandeln.

Details
Erkennungsmerkmale
Ikosaedrisches Kapsid (Durchmesser ca. 60 nm), langer flexibler Schwanz (bis zu 500 nm), keine Hülle, dsDNA-Genom.
Ernährung
Obligate Parasiten; sie infizieren spezifische Bakterienwirte und nutzen deren Stoffwechsel zur Replikation.
Jagdstrategie
Adsorption an spezifische Rezeptoren der Wirtszellwand mittels spezialisierter Schwanzstrukturen.
Überwinterung
Persistenz als Prophage im Wirtsgenom (Lysogenie) oder als virale Partikel in der Umwelt.
Ökologie
Ökologische Rolle
Regulation der Bakteriendichte, Förderung des Nährstoffkreislaufs und Ermöglichung von horizontalem Gentransfer.
Natürliche Feinde
Abbau durch extrazelluläre Enzyme, UV-Strahlung und Aufnahme durch heterotrophe Nanoflagellaten.
Konkurrenzarten
Andere Bakteriophagen-Familien (z.B. Myoviridae, Podoviridae), die dieselben Wirtsstämme infizieren.
Ökosystemleistung
Kontrolle von Bakterienblüten und Aufrechterhaltung der mikrobiellen Diversität in Gewässern.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Ubiquitär in allen Ökosystemen vorhanden, in denen Bakterien vorkommen: Ozeane, Süßwasser, Boden, Tiefsee-Sedimente sowie als Teil des Mikrobioms in Tieren und Menschen.
Ökologische Rolle
Wesentliche Rolle im 'Viral Shunt'; durch Lyse von Bakterien werden Nährstoffe (C, N, P) wieder in den Pool des gelösten organischen Materials (DOM) zurückgeführt, was das mikrobielle Nahrungsnetz stützt.