Kieselalge (Zwergform)
Bacillariophyceae (small morphotypes)
Die Kieselalge (Zwergform) beschreibt kleine Vertreter der Bacillariophyceae, die meist eine Größe von weniger als 15-20 Mikrometern aufweisen. Diese Formen entstehen oft durch die sukzessive Verkleinerung der Kieselschalen während der ungeschlechtlichen Fortpflanzung (MacDonald-Pfitzer-Regel). Sie sind ökologisch bedeutsam als Primärproduzenten und Sauerstofflieferanten in stehenden und fließenden Gewässern. Aufgrund ihrer geringen Größe erfordern sie zur exakten Bestimmung oft spezialisierte mikroskopische Verfahren oder werden in der Gewässerüberwachung als Sammelgruppe geführt.
Details
Sauerstoffproduktion
Hoch; Kieselalgen sind für einen signifikanten Teil der globalen Sauerstoffproduktion verantwortlich.
Habitatfunktion
Bietet Nahrungsgrundlage für Primärkonsumenten im Pelagial.
Nährstoffaufnahme
Effiziente Aufnahme von gelöstem Silikat, Nitrat und Phosphat direkt aus der Wassersäule.
Nahrungsquelle für
Zooplankton, Filtrierer und Jungfische.
Nutzung durch Menschen
Verwendung fossiler Ablagerungen (Kieselgur) in Filtern, Schleifmitteln und als Isolierstoff.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtige Primärproduzenten, die CO2 binden und die Basis des pelagischen Nahrungsnetzes bilden.
Natürliche Feinde
Zooplankton (z. B. Rotatorien, Cladoceren), herbivore Einzeller und kleine Fischlarven.
Konkurrenzarten
Andere Phytoplankton-Gruppen wie Grünalgen oder Cyanobakterien, besonders bei Silikatmangel.
Ökosystemleistung
Sauerstoffproduktion durch Photosynthese und Beitrag zum globalen Kohlenstoff- und Siliziumkreislauf.
Bedrohungen
Gewässerverschmutzung, Herbizideintrag und klimawandelbedingte Änderungen der Schichtung in Gewässern.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Kieselsäure-Gehäuse (Frustel) aus zwei Schalen (Epitheka/Hypotheka). Zwergformen zeichnen sich durch einen Durchmesser < 20 µm aus. Bestimmung erfordert oft Elektronenmikroskopie zur Sichtbarmachung der Striae (Porenreihen) und fultoportulae.
Fortpflanzung
Asexuelle Zellteilung (Zweiteilung), die zu einer sukzessiven Verkleinerung der Zellen führt; Wiederherstellung der Maximalgröße durch sexuelle Bildung von Auxosporen.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Silikatmangel durch Talsperrenbau (Silikat-Falle), Herbizideinträge aus der Landwirtschaft, extreme sommerliche Hitzewellen.
Schutzmaßnahmen
Reduktion diffuser Nährstoffeinträge (P-Elimination), Renaturierung von Uferzonen zur Pufferung von Einträgen, Erhalt der Durchgängigkeit für Silikatfrachten.