Gebuchteter Flohkrebs
Gammarus varsoviensis
Der Gebuchtete Flohkrebs ist ein benthischer Flohkrebs aus der Familie der Gammaridae, der vorwiegend die potamalen Bereiche großer Tieflandflüsse in Mittel- und Osteuropa besiedelt. Er bevorzugt langsam fließende Gewässerabschnitte mit Substraten aus Totholz, Falllaub oder Wasserpflanzen. In Deutschland gilt die Art als extrem selten und ist durch den Ausbau von Flüssen sowie die Konkurrenz durch invasive Arten wie den Großen Höckerflohkrebs gefährdet. Als Detritusfresser spielt er eine wichtige Rolle beim Abbau organischer Substanz in aquatischen Ökosystemen.
Details
Erkennungsmerkmale
Charakteristisch ist der bogenförmig oder buchtig gekrümmte Innenast des dritten Uropoden. Die zweite Antenne weist zudem eine sehr dichte, lange Behaarung auf, die zur Unterscheidung von Gammarus pulex dient.
Sozialverhalten
Überwiegend solitär lebend, bildet jedoch bei gutem Nahrungsangebot dichte Populationen; zeigt zur Paarungszeit das typische Praekopula-Verhalten.
Ernährung
Omnivorer Generalist, der sich primär von organischem Detritus, Falllaub und Biofilmen ernährt, gelegentlich auch räuberisch von anderen Kleinstlebewesen.
Jagdstrategie
Passives Sammeln von Nahrungspartikeln und aktives Zerkleinern von Falllaub (Shredder).
Laichsubstrat
Totholz, Falllaubansammlungen und submerse Makrophyten.
Überwinterung
Überwintert als adultes Tier oder Larve im Sediment oder zwischen Totholz am Gewässergrund.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärzersetzer im Flussökosystem; wandelt grobes organisches Material in feines Material um und dient als Beute für Fische.
Natürliche Feinde
Benthivore Fische (z.B. Kaulbarsch, Gründling), Libellenlarven und Wasservögel.
Konkurrenzarten
Dikerogammarus villosus, Gammarus roeselii und Gammarus pulex.
Ökosystemleistung
Trägt maßgeblich zur Selbstreinigung von Fließgewässern durch den Abbau von organischem Material bei.
Bedrohungen
Verlust von Habitaten durch Flussbegradigung, Verschlammung der Sohle und Verdrängung durch invasive Neozoen.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Wichtigstes Merkmal ist die Form des Basipoditen des 7. Pereiopoden, dessen Hinterrand deutlich gebuchtet (S-förmig geschwungen) ist. Zudem ist der Innenast des 3. Uropoden sehr lang und erreicht etwa 3/4 bis 4/5 der Länge des ersten Gliedes des Außenastes. Die Antennen weisen eine charakteristische Behaarung auf, wobei die Borstenbündel an der zweiten Antenne oft länger sind als bei verwandten Arten wie G. pulex.
Ernährung
Abgestorbenes pflanzliches Material (Fallaub), Biofilme (Periphyton), Detritus und kleine wirbellose Tiere.
Fortpflanzung
Sexuelle Fortpflanzung; zeigt das typische Amplexus-Verhalten (Paarungsschwimmen). Die Weibchen tragen die Eier in einem Brutraum (Marsupium) unter dem Thorax, aus dem fertig entwickelte Jungtiere schlüpfen.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Destruent im Ökosystem großer Flüsse; wandelt grobes organisches Material in feinere Partikel um und dient als bedeutende Nahrungsquelle für Fische.
Schutz & Bedrohung
Status nicht auf Standardskala
Hauptbedrohungen
Verlust von natürlichen Uferstrukturen durch Gewässerausbau, invasive Arten (insbesondere der Große Höckerflohkrebs Dikerogammarus villosus) und chemische Belastung der Flüsse.
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Wiederherstellung naturnaher Uferstrukturen (Totholz, Wurzeln), Schutz von Altarmen und Verbesserung der Wasserqualität.