Langborsten-Rädertier
Filinia longiseta
Das Langborsten-Rädertier ist ein mikroskopisch kleiner Mehrzeller, der weltweit im Zooplankton von Binnengewässern vorkommt. Es zeichnet sich durch einen sackförmigen Körper und drei extrem lange Anhänge (Borsten) aus, von denen zwei seitlich am Vorderende und eine am Hinterende entspringen. Diese Borsten ermöglichen durch ruckartige Bewegungen fluchtartige Sprünge, was einen effektiven Schutz gegen Fressfeinde darstellt. Die Art ernährt sich als Filtrierer hauptsächlich von Bakterien und organischem Detritus.
Details
Erkennungsmerkmale
Drei lange, unsegmentierte Borsten (Setae); Körper oval bis eiförmig; Räderorgan am Vorderende zur Nahrungsaufnahme.
Sozialverhalten
Einzeln lebend, bildet jedoch bei günstigen Nahrungsbedingungen dichte Populationen im Plankton.
Ernährung
Filtriert winzige Partikel wie Bakterien, Einzeller und feinen Detritus aus der Wassersäule.
Jagdstrategie
Passiver Filtrierer; erzeugt mit dem Wimpernkranz des Räderorgans einen Nahrungsstrom.
Laichsubstrat
Pelagial; Eier werden oft kurzzeitig am Körper getragen oder direkt ins Wasser abgegeben.
Überwinterung
Überwinterung als Dauereier (Zysten) im Sediment der Gewässer.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Konsument im mikrobiellen Loop; wandelt bakterielle Biomasse für höhere Trophiestufen um.
Natürliche Feinde
Räuberisches Zooplankton (z.B. Asplanchna), Ruderfußkrebse und räuberische Insektenlarven.
Konkurrenzarten
Andere filtrierende Rädertiere der Gattungen Brachionus und Keratella.
Ökosystemleistung
Trägt zur Wasserreinigung durch den Konsum von Bakterien und organischen Schwebstoffen bei.
Bedrohungen
Starke chemische Verunreinigung, extreme Versauerung der Gewässer und invasive Räuber.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Besitzt zwei antero-laterale Borsten und eine posteriore (hintere) Borste. Bei Filinia longiseta ist die hintere Borste deutlich subterminal angesetzt (ca. 15-30 µm vom Körperende entfernt), was sie von F. terminalis unterscheidet. Die Borsten können die 2- bis 4-fache Körperlänge erreichen und dienen als Schwebefortsätze sowie zur Flucht durch ruckartige Sprungbewegungen.
Fortpflanzung
Heterogonie: Über weite Teile des Jahres erfolgt die Vermehrung durch obligate Parthenogenese (Jungfernzeugung). Bei Umweltstress (Dichte, Nahrungsmangel) treten miktische Weibchen auf, die nach Befruchtung Dauereier bilden.
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiges Bindeglied im 'Microbial Loop'; transformiert bakterielle Biomasse und Nanoplankton in für höhere Trophiestufen verfügbare Energie.
Schutz & Bedrohung
Status nicht auf Standardskala
Hauptbedrohungen
Keine unmittelbare Gefährdung bekannt; profitiert tendenziell von anthropogener Eutrophierung, reagiert jedoch empfindlich auf toxische chemische Belastungen.