Europäischer Aal
Anguilla anguilla
Der Europäische Aal ist ein katadromer Wanderfisch mit einem markanten, schlangenförmigen Körperbau. Er verbringt seine Wachstumsphase in europäischen Binnengewässern und Küstengebieten, bevor er eine beeindruckende Laichwanderung über 6.000 Kilometer in die Sargassosee unternimmt. Charakteristisch sind sein schleimiges Äußeres, der durchgehende Flossensaum und der ausgeprägte Unterkiefer. Während seines Lebenszyklus durchläuft er verschiedene Stadien von der Weidenblattlarve über den Glasaal bis hin zum geschlechtsreifen Blankaal.

Details
Erkennungsmerkmale
Schlangenförmiger Körper, Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen Saum, Unterkiefer länger als Oberkiefer, sehr kleine Schuppen.
Sozialverhalten
Überwiegend solitär lebend; bildet nur während der Wanderphasen größere Ansammlungen.
Ernährung
Opportunistischer Fleischfresser; ernährt sich von Insektenlarven, Krebstieren, Weichtieren und kleinen Fischen.
Jagdstrategie
Nächtliche Suche am Gewässergrund unter intensiver Nutzung des hochsensiblen Geruchssinns.
Laichsubstrat
Pelagisch in großen Tiefen der Sargassosee (Freiwasserlaicher).
Überwinterung
Vergräbt sich bei Wassertemperaturen unter 7-10 °C im Sediment und verfällt in eine Inaktivitätsphase.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger benthischer Prädator und bedeutender Transporteur von Biomasse zwischen marinen und limnischen Ökosystemen.
Natürliche Feinde
Hechte, Welse, Kormorane, Graureiher und Fischotter; Jungstadien auch von Barschen und Forellen.
Konkurrenzarten
Andere benthisch lebende Raubfische wie Quappen oder Welse.
Ökosystemleistung
Regulierung von Wirbellosenbeständen und historische Bedeutung als hochwertige Proteinquelle für den Menschen.
Bedrohungen
Wanderhindernisse (Dämme), Mortalität in Wasserkraftturbinen, Überfischung (v.a. Glasaale), Parasiten (Schwimmblasenwurm) und Schadstoffbelastung.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Morphologie & Identifikation
Färbung
Rücken dunkelgrün bis schwarzbraun, Bauch gelblich (Gelbaal) oder silbrig-weiß (Blankaal).
Erkennungsmerkmale
Unterkiefer steht vor; Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen durchgehenden Saum; sehr kleine Schuppen.
Verwechslungsarten
Meeraal (Conger conger) - dieser hat jedoch einen vorstehenden Oberkiefer.
Geschlechtsdimorphismus
Deutlicher Größenunterschied: Weibchen bis 150 cm, Männchen selten über 50 cm.
Habitat & Lebensraum
Fischregion
Eurytop (in fast allen Regionen vorkommend, Schwerpunkt Brachsenregion).
Bevorzugte Zone
Benthisch (bodenorientiert).
Strömungspräferenz
Limnophil bis rheophil (eurytop).
Substratpräferenz
Schlamm, Sand, Verstecke zwischen Steinen oder Wurzeln.
Sauerstoffbedarf
Gering; kann Luftsauerstoff über die Haut aufnehmen (Hautatmung).
Migration
Wanderverhalten
Katadrom; wandert zur Fortpflanzung aus den Binnengewässern in die Sargassosee (Westatlantik).
Fortpflanzung
Laichsubstrat
Pelagisch im Freiwasser der Sargassosee in großen Tiefen.