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Vogel

Graureiher

Ardea cinerea

RL LC§ Geschützt🔬 Zeigerart🦅 Wanderart

Der Graureiher ist ein großer Wasservogel mit überwiegend aschgrauem Gefieder, einem weißen Kopf mit markanten schwarzen Augenstreifen und einem kräftigen, gelblichen Schnabel. Er erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 195 cm und ist für seine geduldige Lauerjagd in flachen Gewässern bekannt. Im Flug zieht er seinen Hals S-förmig ein, was ihn deutlich von Störchen und Kranichen unterscheidet. Die Art besiedelt weite Teile Eurasiens und Afrikas und ist eng an wasserreiche Lebensräume gebunden.

Details

👁️

Erkennungsmerkmale

S-förmige Halsfaltung im Flug, schwarze Schmuckfedern am Hinterkopf, graue Flügeloberseiten, langer gelber Schnabel.

🐠

Sozialverhalten

Brütet gesellig in Kolonien (Reiherkolonien) in hohen Bäumen; außerhalb der Brutzeit oft einzelgängerisch bei der Nahrungssuche.

🍽️

Ernährung

Opportunistischer Fleischfresser: hauptsächlich Fische, aber auch Amphibien, kleine Säugetiere (Mäuse), Reptilien und Insekten.

🎯

Jagdstrategie

Lauerjäger; steht oft stundenlang bewegungslos im flachen Wasser oder schreitet extrem langsam, um Beute mit dem Schnabel zu erdolchen.

🥚

Laichsubstrat

Große Nester aus Zweigen, meist in hohen Baumkronen, gelegentlich im Schilf.

❄️

Überwinterung

Verbleibt in eisfreien Regionen als Standvogel oder zieht kurze Distanzen in klimatisch günstigere Gebiete.

Ökologie

🌍

Ökologische Rolle

Spitzenprädator in Uferzonen; reguliert Bestände von Fischen und Kleinsäugern.

🦅

Natürliche Feinde

Seeadler, Uhu; Eier und Nestlinge werden von Rabenvögeln, Waschbären oder Füchsen geraubt.

⚔️

Konkurrenzarten

Silberreiher, Kormoran, Fischotter.

🌟

Ökosystemleistung

Biologische Schädlingsbekämpfung durch Fressen von Wühlmäusen auf landwirtschaftlichen Flächen.

⚠️

Bedrohungen

Lebensraumverlust durch Entwässerung, Störungen an Brutkolonien, illegale Verfolgung an Fischzuchtanlagen.

Wissenschaftlicher Steckbrief

Morphologie & Identifikation

Familie
Reiher
Ordnung
Pelikanverwandte
Körperlänge
84 – 102 cm
Flügelspannweite
155 – 195 cm
Gewicht
1000 – 2100 g
Lebenserwartung
5 – 35 years
Beinfarbe
Graubraun bis gelblich; während der Balzphase kurzzeitig rötlich oder rosa aufgehellt.

Brutkleid

Oberseite aschgrau, Unterseite weißlich mit schwarzen Längsstreifen am Hals. Markanter weißer Kopf mit breitem, schwarzem Augenstreif, der in zwei langen, schwarzen Schopffedern endet. Im Prachtkleid zeigen sich verlängerte, lockere Schmuckfedern an Rücken und Brust (Aigretten).

Schlichtkleid

Ähnlich dem Prachtkleid, jedoch sind die Farben insgesamt matter, die schwarzen Schmuckfedern am Hinterkopf sind kürzer oder fehlen teilweise, und die rötlichen Tönungen am Schnabelansatz fehlen.

Jugendkleid

Insgesamt grauer und weniger kontrastreich. Der Scheitel ist grau statt weiß, der schwarze Augenstreif fehlt oder ist nur schwach angedeutet. Der Hals ist eher schmutzig-grau mit dunkler Strichelung.

Geschlechtsdimorphismus

Gering ausgeprägt. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Weibchen, das Gefieder ist bei beiden Geschlechtern identisch.

Erkennungsmerkmale

Großer Schreitvogel mit dolchartigem Schnabel. Im Flug ist der Hals S-förmig eingezogen (Unterscheidungsmerkmal zu Störchen und Kranichen). Langsamer, schwerfälliger Flügelschlag mit tief gewölbten Flügeln.

Verwechslungsarten

Purpurreiher (Ardea purpurea) - kleiner, dunkler, rötlich-brauner Hals; Silberreiher (Ardea alba) - rein weißes Gefieder.

Schnabel

Kräftig, dolchartig und spitz. In der Regel gelblich bis gelbbraun; während der Balzzeit kann die Basis eine rötliche Färbung annehmen.

Stimme

Rufaktivität
Ganzjährig, jedoch am intensivsten während der Besetzung der Brutkolonien von Februar bis Juni.

Gesang

Kein echter Gesang; am Nest verschiedene krächzende, gackernde und schnabelklappernde Laute zur Kommunikation.

Rufe

Ein sehr lautes, raues und heiseres 'chräääk', das oft im Flug oder bei Störung geäußert wird.

Verbreitung & Migration

Zugverhalten
Teilzieher
Ankunft (Monate)Feb – Mär
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Abzug (Monate)Sep – Nov
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D

Brutverbreitung

Weit verbreitet in der Paläarktis, Teilen Afrikas und Südostasiens. In Europa fast flächendeckend bis in den Norden Norwegens.

Überwinterungsgebiet

Mitteleuropäische Vögel sind meist Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Nord- und osteuropäische Populationen ziehen in den Mittelmeerraum oder nach Subsahara-Afrika.

Zugverhalten Details

Teilzieher; die Zugneigung nimmt nach Nordosten hin zu. Viele Vögel in Deutschland bleiben bei milder Witterung ganzjährig im Brutgebiet.

Habitat

Reviergröße
Das unmittelbare Nestterritorium in der Kolonie ist klein; das Nahrungsrevier kann jedoch einen Radius von bis zu 10-20 km um die Kolonie umfassen.

Bruthabitat

An wassernahen Standorten mit hohen Bäumen für die Koloniebildung. Bevorzugt in der Nähe von fischreichen Still- und Fließgewässern, seltener in Schilfbeständen.

Nahrungshabitat

Flachwasserzonen von Seen, Teichen, Flüssen und Gräben. Auch auf Wiesen, Weiden und Äckern zur Jagd auf Kleinsäuger.

Brutbiologie

BrutzeitMär – Jul
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Neststandort
Baumbrüter
Gelegegröße
3 – 6 eggs
Bruten pro Jahr
1 – 1 broods
Brutdauer (Tage)
23 – 28 days
Nestlingszeit (Tage)
42 – 55 days

Nestbau

Große, unordentlich wirkende Plattform aus Ästen und Zweigen, oft hoch in Baumwipfeln. Innen mit Halmen oder Moos ausgekleidet. Nester werden oft über Jahre wiederverwendet und ausgebaut.

Eier

Einfarbig bläulich-grün, matt, oval. Maße ca. 60 x 43 mm.

Brutpflege

Beide Elternteile brüten und füttern die Jungen. Die Nahrung wird im Kropf transportiert und im Nest für die Jungen ausgewürgt.

Ernährung & Verhalten

Aktivität
Tagaktiv

Nahrung Brutzeit

Opportunistisch; primär Fische, aber auch Amphibien, Wasserinsekten, Kleinsäuger (Feldmäuse), Jungvögel und Reptilien.

Nahrung Winter

Bei zugefrorenen Gewässern verstärkt Kleinsäuger (Wühlmäuse) auf Feldern. Ansonsten Fische in eisfreien Gewässerabschnitten.

Nahrungserwerb

Lauerspäher: Steht oft stundenlang bewegungslos im flachen Wasser oder schreitet extrem langsam voran, um dann blitzartig mit dem Schnabel zuzustoßen.

Jagdstrategie

Visuelle Suche; nutzt sowohl Ansitzjagd als auch langsames Pirschen.

Sozialverhalten

Brütet hochgradig gesellig in Kolonien (Reiherkolonien). Die Nahrungssuche erfolgt jedoch meist einzelgängerisch und oft territorial gegen Artgenossen verteidigt.

Schwarmverhalten

Außerhalb der Brutzeit an ergiebigen Nahrungsquellen oder gemeinsamen Schlafplätzen in Gruppen anzutreffen. Im Flug oft in lockeren Trupps.

Schutz & Bedrohung

IUCN Rote-Liste-StatusNicht gefährdet (LC)
LC
NT
VU
EN
CR
EW
EX

Hauptbedrohungen

Zerstörung von Feuchtgebieten, Störungen an Brutkolonien durch Freizeitaktivitäten oder Forstwirtschaft, illegale Abschüsse an Fischteichen, strenge Winter mit langanhaltender Eisdecke.

Bestandstrend

In Mitteleuropa weitgehend stabil bis leicht zunehmend, nachdem sich die Bestände nach dem Ende der intensiven Verfolgung im 20. Jahrhundert erholt haben.

Schutzmaßnahmen

Schutz und Erhalt von Brutkolonien, Renaturierung von Fließgewässern und Auen, Vermeidung von Störungen während der Brutzeit, Management von Konflikten mit der Binnenfischerei.

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