Graureiher
Ardea cinerea
Der Graureiher ist ein großer Wasservogel mit überwiegend aschgrauem Gefieder, einem weißen Kopf mit markanten schwarzen Augenstreifen und einem kräftigen, gelblichen Schnabel. Er erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 195 cm und ist für seine geduldige Lauerjagd in flachen Gewässern bekannt. Im Flug zieht er seinen Hals S-förmig ein, was ihn deutlich von Störchen und Kranichen unterscheidet. Die Art besiedelt weite Teile Eurasiens und Afrikas und ist eng an wasserreiche Lebensräume gebunden.

Details
Erkennungsmerkmale
S-förmige Halsfaltung im Flug, schwarze Schmuckfedern am Hinterkopf, graue Flügeloberseiten, langer gelber Schnabel.
Sozialverhalten
Brütet gesellig in Kolonien (Reiherkolonien) in hohen Bäumen; außerhalb der Brutzeit oft einzelgängerisch bei der Nahrungssuche.
Ernährung
Opportunistischer Fleischfresser: hauptsächlich Fische, aber auch Amphibien, kleine Säugetiere (Mäuse), Reptilien und Insekten.
Jagdstrategie
Lauerjäger; steht oft stundenlang bewegungslos im flachen Wasser oder schreitet extrem langsam, um Beute mit dem Schnabel zu erdolchen.
Laichsubstrat
Große Nester aus Zweigen, meist in hohen Baumkronen, gelegentlich im Schilf.
Überwinterung
Verbleibt in eisfreien Regionen als Standvogel oder zieht kurze Distanzen in klimatisch günstigere Gebiete.
Ökologie
Ökologische Rolle
Spitzenprädator in Uferzonen; reguliert Bestände von Fischen und Kleinsäugern.
Natürliche Feinde
Seeadler, Uhu; Eier und Nestlinge werden von Rabenvögeln, Waschbären oder Füchsen geraubt.
Konkurrenzarten
Silberreiher, Kormoran, Fischotter.
Ökosystemleistung
Biologische Schädlingsbekämpfung durch Fressen von Wühlmäusen auf landwirtschaftlichen Flächen.
Bedrohungen
Lebensraumverlust durch Entwässerung, Störungen an Brutkolonien, illegale Verfolgung an Fischzuchtanlagen.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Morphologie & Identifikation
Brutkleid
Oberseite aschgrau, Unterseite weißlich mit schwarzen Längsstreifen am Hals. Markanter weißer Kopf mit breitem, schwarzem Augenstreif, der in zwei langen, schwarzen Schopffedern endet. Im Prachtkleid zeigen sich verlängerte, lockere Schmuckfedern an Rücken und Brust (Aigretten).
Schlichtkleid
Ähnlich dem Prachtkleid, jedoch sind die Farben insgesamt matter, die schwarzen Schmuckfedern am Hinterkopf sind kürzer oder fehlen teilweise, und die rötlichen Tönungen am Schnabelansatz fehlen.
Jugendkleid
Insgesamt grauer und weniger kontrastreich. Der Scheitel ist grau statt weiß, der schwarze Augenstreif fehlt oder ist nur schwach angedeutet. Der Hals ist eher schmutzig-grau mit dunkler Strichelung.
Geschlechtsdimorphismus
Gering ausgeprägt. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Weibchen, das Gefieder ist bei beiden Geschlechtern identisch.
Erkennungsmerkmale
Großer Schreitvogel mit dolchartigem Schnabel. Im Flug ist der Hals S-förmig eingezogen (Unterscheidungsmerkmal zu Störchen und Kranichen). Langsamer, schwerfälliger Flügelschlag mit tief gewölbten Flügeln.
Verwechslungsarten
Purpurreiher (Ardea purpurea) - kleiner, dunkler, rötlich-brauner Hals; Silberreiher (Ardea alba) - rein weißes Gefieder.
Schnabel
Kräftig, dolchartig und spitz. In der Regel gelblich bis gelbbraun; während der Balzzeit kann die Basis eine rötliche Färbung annehmen.
Stimme
Gesang
Kein echter Gesang; am Nest verschiedene krächzende, gackernde und schnabelklappernde Laute zur Kommunikation.
Rufe
Ein sehr lautes, raues und heiseres 'chräääk', das oft im Flug oder bei Störung geäußert wird.
Verbreitung & Migration
Brutverbreitung
Weit verbreitet in der Paläarktis, Teilen Afrikas und Südostasiens. In Europa fast flächendeckend bis in den Norden Norwegens.
Überwinterungsgebiet
Mitteleuropäische Vögel sind meist Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Nord- und osteuropäische Populationen ziehen in den Mittelmeerraum oder nach Subsahara-Afrika.
Zugverhalten Details
Teilzieher; die Zugneigung nimmt nach Nordosten hin zu. Viele Vögel in Deutschland bleiben bei milder Witterung ganzjährig im Brutgebiet.
Habitat
Bruthabitat
An wassernahen Standorten mit hohen Bäumen für die Koloniebildung. Bevorzugt in der Nähe von fischreichen Still- und Fließgewässern, seltener in Schilfbeständen.
Nahrungshabitat
Flachwasserzonen von Seen, Teichen, Flüssen und Gräben. Auch auf Wiesen, Weiden und Äckern zur Jagd auf Kleinsäuger.
Brutbiologie
Nestbau
Große, unordentlich wirkende Plattform aus Ästen und Zweigen, oft hoch in Baumwipfeln. Innen mit Halmen oder Moos ausgekleidet. Nester werden oft über Jahre wiederverwendet und ausgebaut.
Eier
Einfarbig bläulich-grün, matt, oval. Maße ca. 60 x 43 mm.
Brutpflege
Beide Elternteile brüten und füttern die Jungen. Die Nahrung wird im Kropf transportiert und im Nest für die Jungen ausgewürgt.
Ernährung & Verhalten
Nahrung Brutzeit
Opportunistisch; primär Fische, aber auch Amphibien, Wasserinsekten, Kleinsäuger (Feldmäuse), Jungvögel und Reptilien.
Nahrung Winter
Bei zugefrorenen Gewässern verstärkt Kleinsäuger (Wühlmäuse) auf Feldern. Ansonsten Fische in eisfreien Gewässerabschnitten.
Nahrungserwerb
Lauerspäher: Steht oft stundenlang bewegungslos im flachen Wasser oder schreitet extrem langsam voran, um dann blitzartig mit dem Schnabel zuzustoßen.
Jagdstrategie
Visuelle Suche; nutzt sowohl Ansitzjagd als auch langsames Pirschen.
Sozialverhalten
Brütet hochgradig gesellig in Kolonien (Reiherkolonien). Die Nahrungssuche erfolgt jedoch meist einzelgängerisch und oft territorial gegen Artgenossen verteidigt.
Schwarmverhalten
Außerhalb der Brutzeit an ergiebigen Nahrungsquellen oder gemeinsamen Schlafplätzen in Gruppen anzutreffen. Im Flug oft in lockeren Trupps.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Zerstörung von Feuchtgebieten, Störungen an Brutkolonien durch Freizeitaktivitäten oder Forstwirtschaft, illegale Abschüsse an Fischteichen, strenge Winter mit langanhaltender Eisdecke.
Bestandstrend
In Mitteleuropa weitgehend stabil bis leicht zunehmend, nachdem sich die Bestände nach dem Ende der intensiven Verfolgung im 20. Jahrhundert erholt haben.
Schutzmaßnahmen
Schutz und Erhalt von Brutkolonien, Renaturierung von Fließgewässern und Auen, Vermeidung von Störungen während der Brutzeit, Management von Konflikten mit der Binnenfischerei.