Westliche Keiljungfer
Gomphus pulchellus
Die Westliche Keiljungfer ist eine mittelgroße Libelle mit einer Körperlänge von etwa 5 cm. Sie zeichnet sich durch eine gelb-schwarze Färbung und weit auseinanderstehende Augen aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Flussjungfern besiedelt sie bevorzugt stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit sandigem oder schlammigem Grund. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in Westeuropa, wobei sie ihr Areal in den letzten Jahrzehnten nach Nordosten ausgeweitet hat.

Details
Erkennungsmerkmale
Gelbe Grundfarbe mit feinen schwarzen Linien; Beine überwiegend gelb mit schwarzen Längsstreifen; Augen deutlich voneinander getrennt; Hinterleib beim Männchen nur schwach keulenförmig verdickt.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch; Männchen besetzen temporäre Reviere an sonnigen Uferabschnitten zur Paarungszeit.
Ernährung
Larven ernähren sich räuberisch von Wasserinsekten, kleinen Krebstieren und Würmern. Imagines jagen verschiedene Fluginsekten.
Jagdstrategie
Larven sind Lauerjäger im Sediment; Imagines sind Ansitzjäger, die von einer Warte aus Beuteinsekten im Flug fangen.
Laichsubstrat
Eier werden im Flug durch kurzes Eintauchen des Hinterleibs auf der Wasseroberfläche abgelegt und sinken in sandigen Grund.
Überwinterung
Überwinterung als Larve im Gewässersubstrat (meist zwei- bis dreijährige Larvalentwicklung).
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Prädator im aquatischen und terrestrischen Ökosystem; dient als Nahrungsquelle für Vögel und Fische.
Natürliche Feinde
Vögel (z.B. Baumfalke), größere Libellenarten, Frösche; Larven werden von Fischen und Wasserkäfern gefressen.
Konkurrenzarten
Andere Gomphiden-Arten und Großlibellen mit ähnlichen Habitatansprüchen.
Ökosystemleistung
Regulierung von Insektenpopulationen (z.B. Mücken).
Bedrohungen
Zerstörung von Uferhabitaten, Eutrophierung von Gewässern, intensive Fischzucht und Verbauung natürlicher Sandufer.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Schmale schwarze Thoraxlinien (schmaler als die gelben Zwischenräume); durchgehender gelber Längsstrich auf der Oberseite der Hinterleibssegmente 8 und 9; Hinterleibsende kaum keulenförmig erweitert (untypisch für die Familie); gelb gestreifte Beine (Unterschied zu G. vulgatissimus).
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Prädator im Makrozoobenthos (Larven) und Konsument von Fluginsekten (Adulte); dient als Beute für Fische und Vögel.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Eutrophierung der Gewässer, Zerstörung von Uferhabitaten, intensive fischereiliche Nutzung (Wühltätigkeit von Karpfen), Wellenschlag durch Schiffsverkehr.
Bestandstrend
Stabil bis zunehmend; die Art breitet sich aufgrund des Klimawandels derzeit nach Nordosten (z. B. Niedersachsen, Tschechien) aus.
Schutzmaßnahmen
Schutz und Erhalt von Sekundärhabitaten wie Kiesgruben; Förderung naturnaher Uferstrukturen; Vermeidung von Überbesatz mit benthivoren Fischen.