Tafelente
Aythya ferina
Die Tafelente ist eine mittelgroße Tauchente aus der Familie der Entenvögel. Im Prachtkleid zeigt das Männchen einen markanten kastanienbraunen Kopf, eine schwarze Brust und einen hellgrauen Rumpf. Sie besiedelt bevorzugt nährstoffreiche Stillgewässer mit einer Mindesttiefe von einem Meter und vegetationsreichen Uferzonen. Die Art ist ein Teilzieher, wobei nordöstliche Populationen im Winter nach Süd- und Westeuropa migrieren.

Details
Erkennungsmerkmale
Männchen mit rotem Kopf, schwarzer Brust und grauem Körper. Weibchen graubraun mit hellem Augenring und hellem Band am blaugrauen Schnabel.
Sozialverhalten
Sehr gesellig, bildet außerhalb der Brutzeit große Trupps, oft gemeinsam mit Reiherenten; im Winter oft Trennung nach Geschlechtern.
Ernährung
Omnivor; ernährt sich von Samen, Knollen und Blättern von Wasserpflanzen sowie von Insektenlarven, Weichtieren und kleinen Krebstieren.
Jagdstrategie
Taucht aktiv nach Nahrung, meist in Tiefen von 1 bis 3 Metern; nutzt im Flachwasser auch das Gründeln.
Überwinterung
Überwinterung auf eisfreien Binnengewässern, größeren Seen oder in geschützten Küstenbereichen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Konsument von aquatischen Makrophyten und Wirbellosen; dient als Beutetier für Beutegreifer und trägt zur Samenverbreitung bei.
Natürliche Feinde
Fuchs, Marder, Rohrweihe, Seeadler; für Küken zudem Hechte und Großmöwen.
Konkurrenzarten
Reiherente, Kolbenente (Überschneidung der Nahrungshabitate).
Ökosystemleistung
Regulierung von Wasserpflanzenbeständen und Transport von Nährstoffen sowie Pflanzensamen zwischen verschiedenen Gewässern.
Bedrohungen
Verlust von Feuchtgebieten, Störungen durch Freizeitaktivitäten, Bleivergiftung durch Angelschrot, Klimawandel und Überdüngung der Gewässer.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Morphologie & Identifikation
Brutkleid
Prachtkleid des Erpels: Kastanienbrauner Kopf und Hals, schwarze Brust und Hinterteil, Rumpf hellgrau mit feiner Wellenzeichnung. Weibchen: Unauffällig graubraun, hellere Partien an der Schnabelbasis und Kehle, grauer Rücken.
Schlichtkleid
Schlichtkleid des Erpels ähnelt dem Weibchen, ist jedoch insgesamt grauer und behält die rötliche Augenfarbe bei. Das Gefieder wirkt verwaschener als im Prachtkleid.
Jugendkleid
Ähnlich dem Weibchen, aber gleichmäßiger braun gefärbt, weniger Kontrast zwischen Kopf und Körper, Augenfarbe zunächst bräunlich.
Geschlechtsdimorphismus
Stark ausgeprägt; Erpel im Prachtkleid sehr kontrastreich (rot, schwarz, grau), Weibchen tarnfarben braun-grau.
Erkennungsmerkmale
Charakteristisches Keilprofil des Kopfes mit flacher Stirn, die direkt in den Schnabel übergeht. Rote Iris beim adulten Erpel. Hellblaue Schnabelbinde.
Verwechslungsarten
Moorente (Aythya nyroca) - kleiner, weißes Auge, dunklerer Körper; Kolbenente (Netta rufina) - dickerer Kopf, roter Schnabel.
Schnabel
Mittellang, dunkelgrau bis schwarz mit einer markanten hellblauen bis blaugrauen Querbinde vor der schwarzen Spitze.
Stimme
Gesang
Während der Balz ein leises, pfeifendes 'wi-u' oder 'u-u-u' des Erpels.
Rufe
Weibchen äußert ein raues, tiefes 'krrr-krrr' oder 'gock-gock', besonders im Flug oder bei Störung.
Verbreitung & Migration
Brutverbreitung
Paläarktisch; verbreitet von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien und Südsibirien.
Überwinterungsgebiet
West- und Südeuropa (Mittelmeerraum), Nordafrika, Naher Osten sowie Süd- und Ostasien.
Zugverhalten Details
Teilzieher bis Mittelstreckenzieher. Ausgeprägter Mauserzug der Erpel im Sommer zu großen, nahrungsreichen Gewässern (z.B. Ismaninger Teiche, Bodensee).
Habitat
Bruthabitat
Eutrophe Stillgewässer mit ausgedehnten Röhrichtgürteln (Phragmites), Seggenrieden und einer Wassertiefe von 1-4 Metern. Bevorzugt vegetationsreiche Uferzonen.
Nahrungshabitat
Offene Wasserflächen von Seen, Teichen und langsam fließenden Flüssen; im Winter auch in Brackwasser und Küstenlagunen.
Brutbiologie
Nestbau
Massive Mulde aus Schilf, Seggen und anderen Wasserpflanzen, meist im dichten Röhricht oder auf schwimmenden Vegetationsmatten, dick mit dunklen Daunen ausgekleidet.
Eier
Grünlich-grau bis olivfarben, glatt, leicht glänzend, ca. 61 x 44 mm groß.
Brutpflege
Alleinige Bebrütung und Jungenaufzucht durch das Weibchen; Jungen sind Nestflüchter und suchen früh selbstständig Nahrung.
Ernährung & Verhalten
Nahrung Brutzeit
Omnivor: Wasserpflanzen (Samen, Wurzeln, Knollen von Potamogeton), Insektenlarven (Chironomiden), Mollusken und kleine Krebstiere.
Nahrung Winter
Überwiegend pflanzlich, insbesondere Armleuchteralgen (Characeae) und Laichkräuter.
Nahrungserwerb
Tauchen (bis 4m Tiefe), Gründeln in flacherem Wasser, Seihen an der Wasseroberfläche.
Jagdstrategie
Aktives Tauchen nach benthischen Organismen und Makrophyten am Gewässergrund.
Sozialverhalten
Sehr gesellig; bildet außerhalb der Brutzeit große Trupps, oft vergesellschaftet mit Reiherenten.
Schwarmverhalten
Bildung dichter Schwärme auf offenen Wasserflächen zur Rast und Nahrungssuche; synchronisiertes Tauchverhalten beobachtbar.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Habitatverlust durch Entwässerung, Eutrophierung (Rückgang von Armleuchteralgen), Bleivergiftung durch Bleischrot, Störungen durch Wassersport, Jagddruck in einigen Regionen.
Bestandstrend
Abnehmend; signifikanter Rückgang der Brutbestände in Europa seit den 1990er Jahren (IUCN Red List Einstufung 'Vulnerable' seit 2015).
Schutzmaßnahmen
Schutz und Renaturierung von Feuchtgebieten, Verbot von Bleischrot in Feuchtgebieten (EU-weit), Management der Jagd, Reduktion von Nährstoffeinträgen in Brutgewässer.