Legionellen
Legionella
Legionellen sind eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien, die natürlicherweise in geringen Konzentrationen in Oberflächengewässern und Grundwasser vorkommen. Sie sind obligat aerob und besitzen meist Flagellen zur Fortbewegung. Eine Besonderheit ist ihre Vermehrung innerhalb von Einzellern wie Amöben, was sie vor extremen Umweltbedingungen und Desinfektionsmitteln schützt. Für den Menschen sind sie als Erreger der Legionärskrankheit (Legionellose) und des Pontiac-Fiebers von medizinischer Bedeutung, insbesondere bei Vermehrung in künstlichen Wassersystemen.

Details
Erkennungsmerkmale
Dünne, gramnegative Stäbchen; benötigen spezielles L-Cystein-haltiges Nährmedium (BCYE-Agar) für das Wachstum; biochemische Identifizierung via MALDI-TOF MS.
Sozialverhalten
Bildung von Biofilmen und symbiotische Interaktion mit Protozoen als Wirtszellen.
Ernährung
Nutzen Aminosäuren als primäre Energiequelle; beziehen Nährstoffe meist direkt aus dem Zytoplasma ihrer Wirtszellen (Protozoen).
Jagdstrategie
Infektion von Wirtszellen durch Phagozytose-Induktion und Umgehung der lysosomalen Verdauung.
Überwinterung
Überdauerung in Zysten von Amöben oder in Biofilmen bei niedrigen Temperaturen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Regulation von Mikroorganismen-Populationen in aquatischen Ökosystemen durch Parasitismus.
Natürliche Feinde
Bakterivore Einzeller (sofern die Infektion misslingt), Bakteriophagen.
Konkurrenzarten
Andere Biofilm-bildende Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa.
Ökosystemleistung
Teil des mikrobiellen Nahrungsnetzes und des Nährstoffrecyclings in Gewässern.
Bedrohungen
Thermische Desinfektion (> 60 °C), UV-Bestrahlung, Biozide (z. B. Chlor).
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Lebensraum
Natürliche Süßwasserhabitate (Seen, Flüsse, Grundwasser) in geringer Konzentration. Künstliche wasserführende Systeme (Warmwasserspeicher, Rohrleitungen, Klimaanlagen) bieten durch Stagnation und Biofilme optimale Bedingungen.
Ökologische Rolle
Bestandteil des natürlichen aquatischen Mikrobioms. Sie fungieren als Parasiten von Protozoen und beeinflussen so die mikrobielle Gemeinschaftsstruktur in Gewässern.