Bachflohkrebs
Gammarus pulex
Der Bachflohkrebs ist ein weit verbreiteter Flohkrebs in europäischen Fließgewässern, der durch seinen seitlich stark abgeflachten Körper und die typisch gekrümmte Haltung auffällt. Er besiedelt vor allem kühle, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse mit kiesigem oder steinigem Grund. Als wichtiger Zersetzer (Shredder) spielt er eine zentrale Rolle im Stoffkreislauf, indem er Falllaub zerkleinert. Seine Färbung reicht von gräulich-braun bis olivgrün, was ihm eine gute Tarnung am Gewässergrund ermöglicht.

Details
Erkennungsmerkmale
Seitlich abgeflachter Körper, nierenförmige Augen, zwei Antennenpaare, sieben Beinpaare (davon zwei Greifbeine), segmentiertes Exoskelett.
Sozialverhalten
Tritt oft in sehr hohen Individuendichten auf; während der Fortpflanzungsphase bilden sie Paare im sogenannten Amplexus.
Ernährung
Allesfresser, ernährt sich primär von Falllaub und Detritus, frisst aber auch Algen, Biofilme und gelegentlich kleinere Wirbellose.
Jagdstrategie
Zerkleinerer von organischem Material (Shredder) und Sammler; gelegentlich opportunistischer Räuber.
Laichsubstrat
Kein externes Substrat; die Eier werden im Brutraum (Marsupium) an der Unterseite des Weibchens getragen.
Überwinterung
Verbleibt aktiv im Gewässer, oft tief im Lückensystem des Sediments vergraben; die Aktivität ist temperaturabhängig reduziert.
Ökologie
Ökologische Rolle
Zentraler Primärzersetzer in Fließgewässern; wandelt grobes organisches Material (CPOM) in feineres Material (FPOM) für andere Organismen um.
Natürliche Feinde
Bachforellen, Koppen, Äschen, Libellenlarven, Wasseramseln und verschiedene Wasserkäfer.
Konkurrenzarten
Andere Gammarus-Arten wie Gammarus roeseli sowie invasive Arten wie der Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus).
Ökosystemleistung
Abbau von totem organischem Material (Laub), Selbstreinigung der Gewässer, wichtige Basis der Nahrungskette für Speisefische.
Bedrohungen
Gewässerverschmutzung (Pestizide, Dünger), Gewässerausbau, Temperaturerhöhung durch Klimawandel und invasive Neobiota.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Wichtigstes Merkmal zur Unterscheidung von anderen Gammariden ist der dritte Uropod: Der Innenast ist sehr kurz und erreicht weniger als die Hälfte der Länge des Außenastes. Im Gegensatz zu Gammarus roeselii fehlen dorsale Stacheln oder Kiele auf den Segmenten. Die Antennen tragen dichte Borstenbündel.
Ernährung
Abgestorbenes Laub (besonders mit Pilz- und Bakterienaufwuchs), Detritus, Algen und gelegentlich kleine Insektenlarven oder Artgenossen.
Fortpflanzung
Getrenntgeschlechtlich. Vor der Paarung trägt das Männchen das Weibchen über mehrere Tage in einer 'Praekopula'. Die Eier werden in einem Brutraum (Marsupium) unter dem Thorax des Weibchens ausgebrütet.
Rolle im Nahrungsnetz
Schlüsselart in Fließgewässerökosystemen; wandelt grobes organisches Material (Laub) in Biomasse um und macht es so für höhere Trophiestufen verfügbar.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Eintrag von Insektiziden (insb. Neonicotinoide), Gewässerversauerung, strukturelle Verarmung der Gewässer und Verdrängung durch invasive Arten wie Dikerogammarus villosus.
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Wiederherstellung naturnaher Ufergehölze (Laubeintrag), Reduktion diffuser Stoffeinträge aus der Landwirtschaft und Wiederherstellung der Längsdurchgängigkeit.