Europäische Sumpfschildkröte
Emys orbicularis
Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine mittelgroße Süßwasserschildkröte mit einem dunklen, oft gelb gepunkteten Panzer. Sie bewohnt bevorzugt vegetationsreiche Stillgewässer mit flachen Uferzonen und sonnigen Plätzen. Die Art ist in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets stark gefährdet und verbringt den Großteil ihres Lebens im Wasser, sucht jedoch zur Eiablage trockene, sandige Standorte auf.

Details
Erkennungsmerkmale
Dunkler Panzer mit gelben Strahlenmustern oder Punkten, langer Schwanz (besonders bei Jungtieren), ausgeprägte Schwimmhäute an den Zehen.
Sozialverhalten
Einzelgängerisch, zeigt jedoch geselliges Sonnenbaden an attraktiven Plätzen ohne ausgeprägte soziale Interaktion.
Ernährung
Überwiegend karnivor: Insektenlarven, Schnecken, Kaulquappen, kleine Fische und Aas; gelegentlich werden auch Wasserpflanzen verzehrt.
Jagdstrategie
Aktive Suche unter Wasser oder Lauerjagd auf Beute in der Ufervegetation.
Laichsubstrat
Sonnige, vegetationsarme Hanglagen mit sandigen oder lockeren Erdböden.
Überwinterung
Winterstarre am Grund von Gewässern, meist im Schlamm vergraben, bei der die Atmung über die Kloake erfolgen kann.
Ökologie
Ökologische Rolle
Prädator von Wirbellosen und kleinen Wirbeltieren sowie Aasfresser; trägt zur Gesunderhaltung der Fischbestände bei.
Natürliche Feinde
Waschbär, Fuchs, Dachs (besonders Gelege); Reiher, Hechte und größere Fische (Jungtiere).
Konkurrenzarten
Invasive Rotwangen-Schmuckschildkröten konkurrieren um Sonnenplätze und Nahrungsressourcen.
Ökosystemleistung
Regulierung von Insektenpopulationen und Beseitigung von organischem Material (Aas) in Gewässern.
Bedrohungen
Habitatverlust durch Trockenlegung, Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, Prädation durch Neozoen und Klimawandel.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Langer Schwanz (besonders bei Jungtieren), gelbe Punktierung auf dunklem Grund, bewegliches Plastron-Scharnier, keine roten oder gelben Schläfenstreifen (Abgrenzung zu invasiven Arten).
Lebensraum
Bevorzugt stehende oder langsam fließende, nährstoffreiche Gewässer (Teiche, Altarme, Moore) mit schlammigem Grund und ausgeprägter Unterwasservegetation. Benötigt angrenzende, sonnenexponierte Mager- oder Trockenrasen zur Eiablage.
Ernährung
Opportunistischer Fleischfresser: Wasserinsekten, Larven, Schnecken, Krebstiere, Kaulquappen, kleine Fische und Aas. Gelegentlich werden auch Wasserpflanzen verzehrt.
Rolle im Nahrungsnetz
Prädator von Wirbellosen und kleinen Wirbeltieren; Aasfresser (Gesundheitspolizei). Eier und Jungtiere sind wichtige Beute für Raubsäuger und Vögel.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Habitatverlust durch Entwässerung, Zerschneidung der Lebensräume (Straßentod bei Wanderungen), Verlust geeigneter Eiablageplätze, Prädation durch invasive Arten (Waschbär), Konkurrenz durch ausgesetzte Schmuckschildkröten.
Bestandstrend
Abnehmend; in Mitteleuropa hochgradig gefährdet und oft nur noch in isolierten Reliktpopulationen vorkommend.
Schutzmaßnahmen
Schutz und Renaturierung von Feuchtgebieten, Sicherung und Entbuschung von Eiablageplätzen, Schutz der Gelege vor Prädatoren (Zäunung), Wiederansiedlungsprojekte (z.B. in Brandenburg, Hessen, Niedersachsen).