Großer Höckerflohkrebs
Dikerogammarus villosus
Dikerogammarus villosus ist ein vergleichsweise großer Flohkrebs, der ursprünglich aus dem Einzugsgebiet des Schwarzen und Kaspischen Meeres stammt. Er hat sich über Kanalsysteme in fast ganz Europa ausgebreitet und gilt aufgrund seiner Aggressivität und Prädationsrate als hochgradig invasive Art. Er besiedelt bevorzugt harte Substrate in Flüssen, Seen und Kanälen und kann heimische Wirbellosenfaunen innerhalb kurzer Zeit verdrängen.

Details
Erkennungsmerkmale
Zwei kegelförmige Höcker auf den Segmenten des Hinterleibs (Urosom); Körper oft dunkel gestreift oder gefleckt; sehr große erste Gnathopoden (Greifbeine).
Sozialverhalten
Tritt oft in extrem hohen Individuendichten auf; zeigt aggressives Verhalten gegenüber anderen Flohkrebsarten.
Ernährung
Räuberischer Allesfresser; ernährt sich von anderen Flohkrebsen, Insektenlarven, Egeln und gelegentlich kleinen Fischen.
Jagdstrategie
Aktiver Räuber und Lauerjäger, der Beutetiere oft tötet, ohne sie vollständig zu verzehren ('excess killing').
Laichsubstrat
Eier werden im Brutraum des Weibchens getragen; kein externes Substrat nötig.
Überwinterung
Überwintert als adultes Tier oder Jungtier im Sediment oder unter Steinen.
Ökologie
Ökologische Rolle
Verändert als invasiver Prädator die Struktur benthischer Lebensgemeinschaften und verdrängt native Arten.
Natürliche Feinde
Fische (wie Flussbarsch, Aal und invasive Grundeln) sowie Wasservögel.
Konkurrenzarten
Gammarus pulex, Gammarus roeselii, Echinogammarus ischnus.
Ökosystemleistung
Keine positiven Ökosystemleistungen bekannt; wirkt eher degradierend auf die lokale Biodiversität.
Bedrohungen
Keine signifikanten Bedrohungen; die Art ist extrem anpassungsfähig und ausbreitungsstark.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Wichtigstes Merkmal sind die kegelförmigen Auswüchse (Höcker) auf den Segmenten des Urosoms (Hinterleib), insbesondere auf dem ersten und zweiten Segment. Zudem sind die Gnathopoden (Greifbeine) sehr kräftig entwickelt. Der Mandibel-Palpus weist eine dichte Behaarung auf. Im Gegensatz zu Gammarus-Arten fehlen die typischen Stachelreihen auf den Urosomsegmenten, stattdessen dominieren die namensgebenden Höcker.
Ernährung
Andere Flohkrebse, Eintagsfliegenlarven, Zuckmückenlarven, Fischeier und kleine Fischlarven; nimmt auch Detritus und Algen auf.
Fortpflanzung
Sexuelle Fortpflanzung mit hoher Reproduktionsrate. Weibchen produzieren mehrere Gelege pro Jahr. Die Eier werden im Brutraum (Marsupium) getragen, bis die Jungtiere schlüpfen (Direktentwicklung).
Rolle im Nahrungsnetz
Aggressiver Prädator, der heimische Arten verdrängt und die Struktur des Makrozoobenthos massiv verändert. Dient selbst als Nahrung für räuberische Fische.
Schutz & Bedrohung
Status nicht auf Standardskala
Hauptbedrohungen
Keine; die Art ist selbst eine invasive Spezies, die heimische Ökosysteme bedroht.
Schutzmaßnahmen
Keine Schutzmaßnahmen; Fokus liegt auf Monitoring und Prävention der weiteren Ausbreitung in noch nicht besiedelte Gewässersysteme.