Großer Blaupfeil
Orthetrum cancellatum
Der Große Blaupfeil ist eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Libellenarten Mitteleuropas. Er besiedelt bevorzugt sonnige Stillgewässer mit vegetationsarmen Uferzonen, wie Kiesgruben oder neu angelegte Teiche. Während die Männchen eine charakteristische blaue Wachsbereifung auf dem Hinterleib entwickeln, sind Weibchen und junge Männchen gelb-braun mit markanten schwarzen Längsstreifen gefärbt. Die Art ist bekannt für ihr ausgeprägtes Revierverhalten an Landepfätzen direkt am Boden oder auf Steinen.

Details
Erkennungsmerkmale
Hinterleib des Männchens blau bereift mit schwarzer Spitze (Segmente 8-10); Weibchen gelbbraun mit zwei schwarzen Längsstreifen; keine dunklen Basalflecken an den Flügeln; Flügelmal (Pterostigma) schwarz.
Sozialverhalten
Territorial; Männchen verteidigen ihre Sitzwarten am Ufer aggressiv gegen Artgenossen und andere Libellen.
Ernährung
Sowohl Larven als auch Imagines leben räuberisch. Larven fressen Wasserinsekten, Kleinkrebse und Kaulquappen; Imagines jagen verschiedene Fluginsekten.
Jagdstrategie
Ansitzjäger; die Libelle wartet auf einer Warte am Boden oder auf Steinen und startet kurze Jagdflüge auf vorbeifliegende Beute.
Laichsubstrat
Eier werden im Flug durch rhythmische Wippbewegungen direkt in den flachen Wasserbereich abgegeben.
Überwinterung
Überwinterung erfolgt im Larvenstadium im Schlamm oder zwischen Wasserpflanzen am Gewässergrund.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Prädator in aquatischen und terrestrischen Ökosystemen; reguliert Insektenpopulationen.
Natürliche Feinde
Vögel (z.B. Baumfalke), größere Libellenarten, Frösche und Webspinnen.
Konkurrenzarten
Andere Segellibellen wie der Plattbauch (Libellula depressa) oder der Kleine Blaupfeil (Orthetrum coerulescens).
Ökosystemleistung
Biologische Schädlingsbekämpfung durch den Verzehr von Stechmücken und anderen Fluginsekten.
Bedrohungen
Sukzession und Verlandung von Pioniergewässern; intensive fischereiliche Nutzung von Teichen; Uferverbauung.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Steckbrief
Erkennungsmerkmale
Schwarzes Pterostigma (Flügelmal); keine dunklen Basalflecken an den Flügeln (Unterschied zu Libellula); Hinterleibsanhänge sind schwarz; die Art besitzt keine weiße Stirn (Unterschied zu Leucorrhinia).
Rolle im Nahrungsnetz
Wichtiger Prädator im benthischen und terrestrischen Ökosystem; verbindet aquatische und terrestrische Nahrungsketten.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Natürliche Sukzession (Zuwachsen der Ufer), intensive fischereiliche Nutzung, Verlust von Pionierstandorten durch Verfüllung von Kiesgruben.
Bestandstrend
Stabil; die Art ist in Mitteleuropa weit verbreitet und profitiert teilweise von anthropogenen Gewässern.
Schutzmaßnahmen
Erhalt und Förderung von dynamischen Uferbereichen; Neuanlage von Gewässern; Offenhalten von Pionierhabitaten durch Management der Sukzession.