Nase
Chondrostoma nasus
Die Nase ist ein strömungsliebender Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenartigen mit einem spindelförmigen Körper und silbrigen Flanken. Besonders markant ist das unterständige, querstehende Maul mit einer harten Hornkante, die zum Abschaben von Algenaufwuchs dient. Sie bewohnt bevorzugt die Äschen- und Barbenregion größerer Flüsse mit kiesigem Substrat und sauberem Wasser.

Details
Erkennungsmerkmale
Nasenartiger Vorsprung über dem Maul; Maulspalte gerade und querstehend; Unterlippe verhornt; Rücken grau-blau, Bauch weißlich, Flossen (außer Rückenflosse) oft rötlich.
Sozialverhalten
Ausgeprägter Schwarmfisch; bildet besonders zur Nahrungsaufnahme und während der Laichwanderung große Gruppen.
Ernährung
Spezialisierter Algenfresser; schabt Periphyton (Kieselalgen) von Steinen ab und nimmt dabei auch darin lebende Kleintiere auf.
Jagdstrategie
Weidet aktiv Algenrasen am Gewässergrund ab, wobei oft die hellen Bäuche beim seitlichen Drehen aufblitzen.
Laichsubstrat
Lockeres Kies- und Steinsubstrat in flachen, schnell fließenden Gewässerabschnitten.
Überwinterung
Zieht sich in tiefere, strömungsberuhigte Bereiche oder in die Unterläufe der Flüsse zurück.
Ökologie
Ökologische Rolle
Wichtiger Primärkonsument, der Algenbiomasse in tierische Biomasse umwandelt; dient als Beute für Huchen und Hechte.
Natürliche Feinde
Huchen, Hecht, Kormoran, Gänsesäger, Fischotter.
Konkurrenzarten
Andere rheophile Cypriniden wie Barbe oder Frauennerfling (teilweise Habitatüberschneidung).
Ökosystemleistung
Reguliert das Algenwachstum auf Flusssubstraten; trägt zum Nährstofftransport durch Wanderung bei.
Bedrohungen
Flussverbauung und Stauhaltungen (Unterbrechung der Wanderwege), Verlust von Laichhabitaten durch Versedimentierung, Prädationsdruck.
Wissenschaftlicher Steckbrief
Morphologie & Identifikation
Färbung
Der Rücken ist dunkelgrau bis olivgrün gefärbt, die Flanken glänzen silbrig. Der Bauch ist weißlich. Brust-, Bauch- und Afterflossen weisen oft eine rötliche Färbung auf, während die Rücken- und Schwanzflosse eher dunkelgrau sind.
Erkennungsmerkmale
Charakteristisches, querstehendes, unterständiges Maul mit scharfkantigen, verhornten Lippen (Schabemaul). Die Schnauze ist dick und überragt das Maul nasenartig, was der Art ihren Namen gibt.
Verwechslungsarten
Zährte (Vimba vimba), Hasel (Leuciscus leuciscus), Barbe (Barbus barbus). Die Zährte hat eine deutlich längere Afterflosse, der Hasel ein endständiges Maul.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen entwickeln zur Laichzeit einen sehr deutlichen, feinkörnigen Laichausschlag am gesamten Kopf und am Rücken.
Habitat & Lebensraum
Fischregion
Barbenregion (Epipotamal)
Bevorzugte Zone
Benthisch (bodenorientiert)
Strömungspräferenz
Stark rheophil; bevorzugt schnell fließende, turbulente Gewässerabschnitte.
Substratpräferenz
Kiesig bis steinig (Lithophil); benötigt harte Substrate für die Nahrungsaufnahme (Algenaufwuchs).
Sauerstoffbedarf
Hoch; die Art ist empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel, benötigt typischerweise > 7 mg/L.
Migration
Wanderverhalten
Ausgeprägte Laichwanderungen flussaufwärts zu geeigneten Kiesbänken in Nebenflüssen oder Oberläufen, oft über Distanzen von 10 bis über 100 km.
Fortpflanzung
Laichsubstrat
Grober Kies und Steine in flachen, schnell fließenden Bereichen (Lithophil).
Larvalphase
Nach dem Schlupf verbleiben die Larven im Interstitial des Kieses; nach dem Aufschwimmen driften sie in strömungsberuhigte, flache Uferbereiche (Kinderstuben).
Brutpflege
Keine; die Eier werden in Gruben im Kies abgelegt und nicht bewacht.
Ernährung
Ernährungstyp
Herbivor und detritivor; spezialisierter Algenfresser.
Nahrung Jungfische
Zooplankton, kleine Insektenlarven (Chironomiden) und Kieselalgen.
Nahrung erwachsen
Primär Aufwuchsalgen (Periphyton), die mit den verhornten Lippen von Steinen abgeschabt werden; dabei werden auch Kleintiere des Benthos mit aufgenommen.
Jagdstrategie
Weidegänger; nutzt das spezialisierte Schabemaul zur Nutzung von Algenfilmen auf hartem Substrat.
Schwarmverhalten
Stark ausgeprägtes Schwarmverhalten über den gesamten Lebenszyklus, insbesondere bei Wanderungen und zur Nahrungsaufnahme.
Ökologische Bedeutung
Rolle im Nahrungsnetz
Primärkonsument; wandelt Algenbiomasse in Fischbiomasse um und dient als wichtige Beute für Raubfische (Huchen, Hecht) und Vögel.
Natürliche Feinde
Huchen, Hecht, Wels, Kormoran, Gänsesäger.
Konkurrenten
Andere rheophile Cypriniden wie die Barbe (Barbus barbus) hinsichtlich Laichplätzen und Lebensraum.
Parasiten
Häufig Befall durch Trematoden (z.B. Posthodiplostomum cuticola) und parasitäre Krebstiere.
Bioindikator-Funktion
Leitart der Barbenregion; Indikator für gute Wasserqualität und die ökologische Durchgängigkeit von Flusssystemen.
Fischerei & Recht
Fischereiliche Regelung
In vielen deutschen Bundesländern ganzjährig geschont oder durch hohe Mindestmaße und lange Schonzeiten geschützt.
Schonzeit
Regional unterschiedlich, meist 01.03. bis 31.05. (Laichzeit).
Wirtschaftliche Nutzung
Historisch wichtiger Speisefisch ('Brotfisch' der Flussfischerei), heute wirtschaftlich unbedeutend, aber ökologisch und für die Angelfischerei wertvoll.
Schutz & Bedrohung
Hauptbedrohungen
Unterbrechung der Wanderwege durch Querbauwerke, Verlust von Kieslaichplätzen durch Sedimentation und Stauregulierung, Prädation in geschwächten Beständen.
Bestandstrend
In vielen großen Flüssen (Rhein, Donau, Elbe) nach dramatischen Rückgängen im 20. Jahrhundert durch Besatz und Renaturierung lokal stabilisierend, aber weiterhin gefährdet.
Schutzmaßnahmen
Wiederherstellung der Durchgängigkeit (Fischaufstiegshilfen), Vitalisierung von Kiesbänken, Rückbau von Uferverbauungen, gezielte Besatzprogramme.