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Fisch

Quappe

Lota lota

RL LC§ Geschützt🔬 Zeigerart🦅 Wanderart

Die Quappe ist ein langgestreckter Bodenfisch mit einer charakteristischen Bartel am Kinn und zwei Rückenflossen. Sie bevorzugt kalte, sauerstoffreiche Gewässer und ist besonders in der Dämmerung und Nacht aktiv. Als einziger Süßwasservertreter der Ordnung Gadiformes (Dorscharartige) zeigt sie eine ungewöhnliche Winterlaichzeit. Ihre Färbung ist meist marmoriert braun-grünlich, was ihr eine hervorragende Tarnung am Gewässergrund ermöglicht.

Details

👁️

Erkennungsmerkmale

Einzelne lange Kinnbartel, zwei Rückenflossen (erste kurz, zweite sehr lang), lange Afterflosse, sehr kleine Schuppen, marmoriertes Muster.

🐠

Sozialverhalten

Einzelgängerisch außerhalb der Fortpflanzungszeit; bildet während der Laichzeit im Winter große Gruppen (Laichballen).

🍽️

Ernährung

Fleischfresser; Jungtiere fressen Wirbellose (Insektenlarven, Krebstiere), Erwachsene sind spezialisierte Fischfresser, nehmen aber auch Krebse und Laich.

🎯

Jagdstrategie

Lauerjäger und aktiver Sucher am Boden; nutzt den hochempfindlichen Geruchssinn und die Bartel zur Beutelokalisierung in der Dunkelheit.

🥚

Laichsubstrat

Kies, Sand oder Steine; benötigt sauberes Substrat für die Entwicklung der Eier.

❄️

Überwinterung

Aktiv; die Quappe ist ein Winterlaicher und erreicht bei niedrigen Temperaturen ihre höchste physiologische Aktivität.

Ökologie

🌍

Ökologische Rolle

Bodennaher Spitzenprädator in kalten Gewässersystemen; reguliert Bestände von Kleinfischen und bodenlebenden Wirbellosen.

🦅

Natürliche Feinde

Hecht, Wels, Fischotter; Jungfische werden von zahlreichen räuberischen Fischarten erbeutet.

⚔️

Konkurrenzarten

Andere bodenorientierte Raubfische wie Aal oder Kaulbarsch, sowie invasive Arten wie Schwarzmund-Grundeln.

🌟

Ökosystemleistung

Regulierung von Beutepopulationen; Verwertung organischer Reste am Gewässergrund.

⚠️

Bedrohungen

Gewässerverbauung, Klimaerwärmung (Wassertemperaturen über 20°C sind kritisch), Verlust von Laichhabitaten durch Versandung.

Wissenschaftlicher Steckbrief

Morphologie & Identifikation

Familie
Lotidae (Quappen)
Körperlänge
30 – 120 cm
Maximalgröße
150
Gewicht
0.5 – 25 kg
Maximalgewicht
34
Lebenserwartung
10 – 20 years
Körperform
Langgestreckter, vorne drehrunder und hinten seitlich abgeflachter Körper; breiter, flacher Kopf mit endständigem bis leicht unterständigem Maul.
Schuppenformel
null
Flossenformel
D1 9-16, D2 67-96, A 58-84, P 17-22, V 5-8

Färbung

Marmoriert; Grundfarbe variiert von olivgrün über gelblich bis dunkelbraun mit dunklen, unregelmäßigen Flecken; Bauchseite weißlich bis grau.

Erkennungsmerkmale

Ein einzelner langer Bartfaden (Barbel) an der Unterkiefermitte; zwei Rückenflossen, wobei die erste kurz und die zweite sehr lang ist; lange Afterflosse; sehr kleine, tief in der Schleimhaut eingebettete Rundschuppen.

Verwechslungsarten

Wels (Silurus glanis) - dieser besitzt jedoch mehrere Bartfäden und keine zweite Rückenflosse; Aal (Anguilla anguilla) - besitzt keine Bauchflossen und keine geteilte Rückenflosse.

Geschlechtsdimorphismus

Gering ausgeprägt; Weibchen sind während der Laichzeit an der Leibesfülle erkennbar und erreichen oft größere Körpermaße als Männchen.

Habitat & Lebensraum

Tiefenbereich
1 – 700 m
Temperaturbereich
0 – 20 °C
pH-Bereich
6 – 8.5 pH

Fischregion

Brachsenregion bis Kaulbarsch-Flunder-Region; auch in der Forellenregion (Oberläufe) und in tiefen, kühlen Seen (z.B. Bodensee, Baikal).

Bevorzugte Zone

Benthisch (bodennah); hält sich tagsüber versteckt in Höhlen, unter Wurzeln oder Steinen auf.

Strömungspräferenz

Bevorzugt mäßig fließende bis stehende Gewässer; meidet extrem starke Strömung, benötigt aber sauerstoffreiches Wasser.

Substratpräferenz

Kies, Steine, Sand; essenziell sind Strukturen wie Totholz oder Steinschüttungen als Unterstand.

Sauerstoffbedarf

Hoch; die Art ist empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel, insbesondere bei steigenden Wassertemperaturen im Sommer.

Migration

Migrationstyp
Potamodrom (Süßwasser-Wanderer)
Wanderdistanz
10 – 150 km

Wanderverhalten

Führt zur Laichzeit im Winter Wanderungen flussaufwärts in flachere Bereiche oder in geeignete Zuflüsse durch.

Fortpflanzung

LaichzeitJan, Feb, Mär, Nov, Dez
J
F
M
A
M
J
J
A
S
O
N
D
Laichtemperatur
0 – 4 °C
Eizahl
100000 – 3000000 eggs/female
Eigröße
1 – 1.7 mm
Brutdauer (Tage)
30 – 120 days
Geschlechtsreife (Jahre)
2 – 5 years

Laichsubstrat

Kies, Sand oder Steine; die Eier werden über dem Substrat abgegeben und sinken in die Lückenräume.

Larvalphase

Nach dem Schlupf zunächst pelagische Lebensweise (Freiwasser), nach einigen Wochen Übergang zur benthischen Lebensweise am Gewässergrund.

Brutpflege

Keine; die Eier werden ohne Nestbau oder Bewachung im Freiwasser über dem Substrat abgegeben.

Ernährung

Aktivität
Nachtaktiv

Ernährungstyp

Karnivor; räuberisch lebend, mit zunehmendem Alter spezialisierter Fischfresser.

Nahrung Jungfische

Zooplankton, Insektenlarven (z. B. Chironomidae, Ephemeroptera), kleine Krebstiere (Gammarus).

Nahrung erwachsen

Fische (z. B. Kaulbarsch, Gründling, Koppe), Fischlaich, größere Wirbellose wie Flusskrebse.

Jagdstrategie

Nächtlicher Such- und Lauerjäger; nutzt intensiv den Geruchssinn und das Seitenlinienorgan zur Beuteortung in der Dunkelheit.

Schwarmverhalten

Überwiegend einzelgängerisch; bildet jedoch zur Laichzeit dichte Gruppen (sogenannte Laichballen).

Ökologische Bedeutung

Saprobie-Wert
1.5

Rolle im Nahrungsnetz

Wichtiger Prädator in kühlen Gewässersystemen; besetzt die Nische des bodenorientierten Raubfisches, besonders im Winter aktiv.

Natürliche Feinde

Hecht, Wels, Fischotter, Kormoran; Jungfische werden von zahlreichen räuberischen Fischarten gefressen.

Konkurrenten

Aal (Nahrungskonkurrenz am Gewässergrund), Kaulbarsch und Koppe (Konkurrenz um Verstecke und Nahrung bei Jungtieren).

Parasiten

Befall durch Trematoden (z. B. Diplostomum), Nematoden und Kratzer (Acanthocephala) ist häufig dokumentiert.

Bioindikator-Funktion

Indikator für gute Wasserqualität (oligosaprob bis betamesosaprob), kühle Wassertemperaturen und ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer.

Fischerei & Recht

Mindestmaß (cm)
30

Fischereiliche Regelung

Unterliegt dem Fischereirecht; gesetzliche Schonzeiten und Mindestmaße sind länderspezifisch geregelt (z.B. in Bayern, Sachsen).

Schonzeit

Regional unterschiedlich, meist während der Hauptlaichzeit (z. B. 01.11. bis 28.02. oder 01.12. bis 28.02.).

Wirtschaftliche Nutzung

Geschätzter Speisefisch mit festem, weißem Fleisch; die große Leber gilt historisch als Delikatesse; lokal von Bedeutung für die Binnenfischerei.

Schutz & Bedrohung

IUCN Rote-Liste-StatusNicht gefährdet (LC)
LC
NT
VU
EN
CR
EW
EX

Hauptbedrohungen

Gewässerverbauung und Verlust von Laichhabitaten; Unterbrechung der Wanderwege durch Querbauwerke; Klimaerwärmung (Anstieg der Sommertemperaturen).

Bestandstrend

In Mitteleuropa oft rückläufig oder gefährdet (Rote Liste Deutschland: V - Vorwarnliste, regional stark gefährdet); Bestände oft durch Besatz gestützt.

Schutzmaßnahmen

Wiederherstellung der Durchgängigkeit (Fischtreppen); Renaturierung von Uferbereichen und Laichsubstraten; gezielte Besatzmaßnahmen zur Bestandsstützung.

Wikipedia →